Gegen ein zweisprachiges Grossfreiburg

Gegen ein zukünftiges, zweisprachiges Grossfreiburg regt sich konservativer Widerstand. Ein neuer Sprachstreit ist aber unwahrscheinlich.

Im Kanton Freiburg wird Deutsch und Französisch gesprochen. Genau deswegen will die konstituierende Versammlung, dass die Hauptstadt Freiburg auch nach der Fusion mit den acht Gemeinden offiziell Zweisprachig ist. 
Gegen dieses Vorhaben gibt es beispielsweise von der Organisation Communauté Romande du Pays de Fribourg Widerstand.

Wie gefährdet ist das Projekt der Fusion wegen der Sprachenfrage? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Zweisprachigkeit die Gemüter erhitzen kann. Vor rund 20 Jahren lehnte das Freiburger Stimmvolk ein neues Schulgesetz ab, durch das der immersive Unterricht an den Schulen stark gefördert worden wäre. Dagegen waren vor allem die französischsprachigen Lehrerinnen und Lehrer. Dies ging ihnen zu weit, sodass sie für ein «Nein« warben. Die Vorlage ist schliesslich knapp gescheitert. Grossmehrheitlich dafür ausgesprochen, haben sich aber die Stadt Freiburg und die Agglomeration.

Trotz des knappen Resultats war das Vertrauen angeknackst und der Graben zwischen den Deutsch- und Französischsprachigen im Kanton wieder vorhanden. Wie gross ist nun die Gefahr, dass sich die Geschichte bei der Fusion wiederholt? Bernhard Altermatt, CVP-Grossrat und Präsident des Forums für Zweisprachigkeit in Freiburg, hält einen Sprachenstreit für unwahrscheinlich. Die Gesellschaft habe sich nämlich verändert. Die Menschen seien grundsätzlich mobiler und würden auch mehr Sprachen beherrschen. Heutzutage gäbe es beispielsweise deutlich mehr französischsprachige junge Menschen, die mit dem Schweizerdeutschen und auch dem Hochdeutschen keine Probleme mehr hätten. «Für sie ist die Zweisprachigkeit sogar ein Pluspunkt. Auch in der Politik dominiert diese Haltung», so Altermatt.

Auch Staatsrat Didier Castella ist der Meinung, dass die Zweisprachigkeit ein Plus ist. Für ihn ist aber wichtig, dass gesagt werden kann, wenn man eine andere Meinung hat: «Nur so kann es eine Debatte geben. Die Debatte ist schliesslich auch für die Menschen wichtig, die abstimmen gehen können.»

Ängste abbauen

Die konservative Vereinigung Communauté Romande du Pays de Fribourg ist der Auffassung, das künftige Freiburg werde germanisiert. Sie kämpft deshalb gegen dieZweisprachigkeit. Altermatt zweifelt aber an der Tatsache, dass die Zweisprachigkeit eine grosse Rolle in der Diskussion rund um die Fusion spielen wird. Es gäbe noch viel kritischere Themen. «Da sind beispielsweise viele Fragen zu den Finanzen und Steuersätzen, die sich stellen. Aber auch demokratische Fragen wird man diskutieren müssen», sagt Altermatt. Dennoch zeige die Meinung der Communauté Romande, dass es immer noch Menschen gäbe, die Angst vor einer Zweisprachigkeit hätten. «Und es ist die Aufgabe der Behörden der fusionierenden Gemeinden bereits jetzt solche Ängste abzubauen.»

Inwiefern die Sprachenfrage Einfluss hat und wie hart die konservativen Kräfte gegen ein Zweisprachiges Grossfreiburg mobilisieren können, wird sich spätestens im September bei der Konsultativabstimmung zeigen. Dort werden die Fusionsgemeinden nämlich Farbe bekennen.

RadioFr. - Nadine Schmid / faeb