Hype um "Palworld" – alles nur geklaut?
Das neue Computerspiel "Palworld" geht gerade komplett durch die Decke. Wir haben eine Erklärung parat und üben Kritik.

Am 19. Januar kam das Spiel "Palworld" auf den Markt. Zwölf Tage später hatten bereits über 19 Millionen Gamer das Spiel gekauft, wie die Entwickler mitteilten. Haben sie eine Erfolgsformel erfunden oder einfach nur erfolgreich abgekupfert?
Ein gekonnter Genre-Mix
Als Spielerin oder Spieler in Palworld erkundet man eine grosse Fantasy-Welt. Dabei trifft man auf sogenannte "Pals"; farbenfrohe Monster, die getötet, gefangen, gezähmt und geritten werden können. Ein klares Ziel gibt es nicht - dafür alles Mögliche zu tun: Rohstoffe in der Wildnis sammeln, um zu überleben. Aus einzelnen Bauteilen neue Gegenstände zusammensetzen; einen Gleitschirm, ein Haus, oder sogar eine ganze Fabrik, in der die kleinen "Pals" die Fliessband-Arbeit erledigen. Man kann seine "Pals" auch mit Waffen ausrüsten, um gegen grosse Monster und Wilderer zu kämpfen oder friedlich Felder bepflanzen und ernten.
Das Spiel ist ein Mix aus vielen beliebten Genres: RPG, Survival, Crafting, Shooter, Creature Collector … um nur einige zu nennen. Dadurch ist es extrem vielfältig und hat für jeden und jede etwas zu bieten. Palworld kann man zudem online mit Freunden spielen. Viele der Monster-"Pals" sehen ausserdem sehr süss aus, was ein besonders skurriles Bild ergibt, wenn sie mit Maschinengewehren auf Gegner schiessen.
"Pokémon mit Waffen"
Die Prämisse "wie Pokémon, aber mit Waffen" erklärt sicher einen Teil des Erfolgs von Palworld. Wegen dieser Ähnlichkeit zum Pokémon-Franchise wurde jedoch auch bereits Kritik laut. Manche der Monster-"Pals" sehen bestimmten Pokémon zum Verwechseln ähnlich (siehe Vergleich unten). Die Idee, die Monster zu schwächen, um dann einen Ball zu werfen, sie darin zu fangen und bei Bedarf wieder hervorzuholen, stammt ebenfalls von Pokémon.
Die Firma hinter Pokémon, "The Pokémon Company", hat sich in einer offiziellen Pressemitteilung geäussert. Sie habe keine Erlaubnis für die Verwendung ihrer Pokémon herausgegeben, steht darin. Man wolle untersuchen, ob das "Recht am geistigen Eigentum" verletzt worden sei und Massnahmen ergreifen, falls nötig.
Inspiration oder Plagiarismus?
Palworld bedient sich bei seinen Designs und Mechaniken aber nicht nur bei Pokémon. Das Spiel ähnelt auch anderen erfolgreichen Titeln wie Minecraft, Zelda oder Ark. Die Entwickler hinter Palworld machen keinen Hehl daraus, dass sie sich von anderen Spielen inspirieren liessen. Ob es sich bei einzelnen Elementen tatsächlich um Plagiarismus handelt, wird auf gerichtlicher Ebene entschieden werden müssen.
Die Entwickler hinter Palworld, das japanische Studio PocketPair, stehen jedoch noch in einem weiteren Punkt in der Kritik. Palworld ähnelt nämlich auch ihrem eigenen Spiel Craftopia, welches 2020 als "Early Access Release" auf den Markt kam. Die Idee hinter dieser Art der Spiele-Veröffentlichung ist, dass Spieler eine noch unfertige Version des Spiels kaufen können. Die Entwickler können dann von diesen Einnahmen und dem Feedback der Spielerinnen profitieren, um das Spiel fertig zu entwickeln. Craftopia wurde jedoch bis heute nicht fertiggestellt - und die Chance ist gross, dass dies dank des Erfolgs von Palworld auch nie passieren wird.
Fazit
Trotz aller Kritik kommt Palworld mit seinem ungewöhnlichen Genre-Mix sehr gut an. Spielerinnen und Spieler können stundenlang die Welt erkunden, neue Technologien zum Bauen freischalten, und fast 150 verschiedene "Pals" fangen. Es sollen auch noch neue Inhalte und Verbesserungen hinzukommen - das Spiel ist nämlich noch nicht fertig entwickelt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Entwickler ihre Versprechen halten und sowohl Palworld als auch ihre anderen Titel eines Tages fertigstellen werden.
Palworld gibt es für rund 30 Franken zu kaufen für PC und Xbox. Zudem ist das Spiel verfügbar über Microsofts "Xbox Game Pass" und "PC Game Pass".



