Vom Hausieren mit abstruser Musik

Das Berner Untergrundlabel Voodoo Rhythm Records feiert 30-jähriges Bestehen. Gründer Beat-Man Zeller erzählt uns die Story und zeigt, welche Haltung hinter dem Trash steckt.

In den 80er Jahren stand Beat-Man Zeller auf Partys oft gelangweilt in der Ecke und wartete auf den einen Song, der die ganze Chose wie eine Tischbombe hochgehen liess, eroberte die Reitschule Bern mit, oder radelte mit seinen Kumpels von Bern nach Freiburg ins Fri-son, um sich entfachende Konzerte anzuhören. Diese Momente galt es zu vervielfachen. Es folgten erste eigene Konzerte, wie beispielsweise mit seiner 1986 gegründeten Primitive-Rock'n'Roll-Trash-Combo The Monsters und solo als Lightning Beat-Man. Die Idee zu letzterer Bühnenkreatur entwuchs übrigens aus Besuchen von Lucha Libre Shows (eine mexikanische Wrestling-Form), die Beat-Man auf einem halbjährigen USA-Trip kennenlernte. Ziel dieser Vermengung aus infernaler Musik und körpernahen Performances: Leute aufscheuchen und -schrecken, reiben, reagieren, dem blutleeren Mainstream gefühlsechte, verschwitzte und teils komplett verrückte Musik entgegenhalten. Komme was wolle.

Resonanz und Resilienz

Finanziell lockt das Konzept eines Untergrundlabels und einer Karriere als Nischenmusiker wenig. Beat-Man wollte es trotzdem, sparte, wo nur möglich, spielte, wo auch immer, und spürte auf der ganzen Welt immer wieder diese Acts auf, die Voodoo Rhythm Records diesen unverkennbar viszeralen Sound verleihen. Bref, Beat-Man frass jahrelang verdammt hartes Brot, um Familie, Label und sich selbst durchzuringen. Motivierende Tritte kamen dabei oft von der Musik selbst. Fand Beat-Man wiedermal diejenigen Musikerinnen, Performer, Bands, Maniacs, die vermochten, sein Herz und Hirn zu kickstarten, ging's in die nächste Runde. Und Beat-Man nahm und nimmt bei allen Produktionen, die auf Voodoo Rhythm erscheinen, die Rolle des involvierten, fast penetrant akribischen Coach ein, der die Acts bei Aufnahmen in die Mangel nimmt, bis das in der Musik hörbar wird, was die Eigenart der Acts ausmacht.

Über 120 LPs, EP, Splits, Singles, CDs und Tapes voller exzeptioneller Musik finden sich heute im Katalog von Voodoo Rhythm Records. Zum heissen Goldesel mutierte das räudige Label nie, aber Beat-Man und sein Team treiben mit viel Überzeugung, ehrlicher Begeisterung und gehörigem Wahnwitz die Sache munter voran. Auf Resonanz stösst Beat-Man dabei nicht nur im Spiegelkabinett der Szene, sondern auch von offizieller Seite. So erhielt er 2007 eine Ehrung des Kantons Bern für sein kulturelles Schaffen und 2014 den Schweizer Musikpreis des Bundesamts für Kultur für sein bisheriges Werk. Auch für das diesjährige 30-Jahr-Jubiläum gibt's Blumen, Huldigungen und Dank für so viel Engagement. Und von hier viel Respekt dafür, dass Beat-Man stets die Fäuste gegen das Prätentiöse geschwungen hat, die geschönte Fassade gerieben hat, bis Feuer entfachte, um die Fratze dahinter zu offenbaren, und mit Voodoo Rhythm Records jede schnöde Party gesprengt wurde. Chapeau!

Setlist Näb de Spur:

Reverend Beat-Man and Izobel Garcia - Black Metal
Roy and the Devils Motorcycle - Learn to lose
Bad Mojos - crash & burn
Blind Butcher - Staubsaugerbaby
King Khan & The Shrines - Tell Me
Degurutieni - Acme in the afternoon
The Dead Brothers - Mean Blue Spirit

Gewinnspiel: Anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums von Voodoo Rhythm Records verlosen wir die neue Label-Compilation Vol. 5 als Vinyl. Wer mitmachen möchte, schreibe eine Mail an valentin.bruegger@radiofr.ch mit Betreff "Näb de Spur". Einsendeschluss ist der 24. Oktober 2021.

Beat-Man ist übrigens zusammen mit den Monsters und Blind Butcher am Freitag 22. Oktober im Nouveau Monde in Freiburg. Allez!

RadioFr. - Valentin Brügger