Vorstand unbesetzt: Freiburger Vereine mit Sorgen
Immer mehr Vereine haben Mühe, ihre Vorstandspositionen zu besetzen. Zwei Vorstandsmitglieder sprechen über Gründe und mögliche Lösungen.

"Leider müssen wir euch bekanntgeben, dass wir nach wie vor nicht alle Ressorts in unserem Vorstand besetzen konnten". In etwa so klang es in diesem Jahr schon bei vielen Generalversammlungen bei einigen Vereinen. Exemplarisch zeigt sich dies in Düdingen, wo beim örtlichen Volleyballclub, sowie bei den Düdingen Bulls gewichtige Vorstandspositionen vakant sind. Der SC Düdingen konnte zu seiner GV ebenfalls keinen neuen Präsidenten vorstellen und greift deshalb im Moment auf eine Co-Vereinsleitung, bestehend aus drei Personen zurück. So wie den drei Düdingen Vereinen geht es noch vielen anderen, laut den entsprechenden Websiten gibt es derzeit bei Aergera Giffers, dem Segelclub Murten oder bei Seisa 08 mindestens eine vakante Vorstandsposition.
Frust wächst mit jeder Absage
"Es ist zum Teil schon sehr frustrierend," sagt Urs Balsiger, Präsident von Volley Düdingen. "Wir machen uns im voraus Gedanken um geeignete Kandidatinnen und Kandidaten und erhalten dann zum X-ten Mal eine Absage". Volley Düdingen ist seit mehr als einem Jahr auf der Suche nach einem Technischen Koordinator Nachwuchs und Regionalligen und seit dieser Generalversammlung auch eine TK Spitzensport, also quasi einen Sportchef.
Gar ohne Präsident stehen die Düdingen Bulls da. Nachdem Josef Baeriswyl im Frühjahr aus gesundheitlichen Gründen per sofort zurücktreten musste, fand der Verein bis zur GV Mitte Juni keinen Nachfolger. Der Posten wird seither als vakant geführt.
Die Gefahr, ohne Präsident dazustehen, ergab sich ebenfalls beim SC Düdingen nach dem Rücktritt von Pascal Klaus. Auch hier habe sich die Suche lang und schwierig gestaltet, erzählt Co-Vereinsleiter Lukas Herren. Schliesslich habe sich eine Person gemeldet, die sich bereit erklärte das Präsidialamt auszuüben. "Allerdings sagte Thomas Perren selbst, dass er keinerlei Background im SC Düdingen habe." Deshalb entschlossen sich Lukas Herren und Steve Baeriswyl, Thomas Perren zu unterstützen und so ergab sich die dreifache Co-Vereinsleitung, welche sich bewusst nicht als Co-Präsidium bezeichnet. Die Lösung ist für den Moment durchaus unkonventionell.
Ja, ich würde es auch als Feuerwehrübung bezeichnen
Definitiv kam die Lösung nämlich erst einige Stunden vor der GV zu Stande. Trotzdem sei sie wohlüberlegt und kein Schnellschuss, betont Lukas Herren. Im übrigen sind auch beim SC Düdingen nicht alle Vorstandspositionen besetzt. Laut Lukas Herren fehlt eine Person im Sekretariat.
Niemand will sich binden
Intensive Gespräch haben sowohl Volley Düdingen, als auch der SC Düdingen geführt. Dabei tönt es unisono gleich. "Vor allem zeitliche Gründe haben zu den Absagen geführt", fasst Urs Balsiger zusammen. Dem stimmt Lukas Herren zu, "viele Leute sind bei mehr als einem Verein engagiert, ein Vorstandsamt ist mit Verantwortung verbunden, die nicht alle übernehmen möchten und dies führt anschliessend zu Absagen."
Über ein generelles Mitgliederproblem berichten aber weder der SC-, noch Volley Düdingen. Sprich, es hätte genug Leute, bei beiden Vereinen. "Wenn ich etwas Böse sein darf," so Urs Balsiger "die Leute konsumieren gern, indem sie im Verein dabei sind, bei grösserer Zeiterfordernis stellen wir aber eine Zurückhaltung fest." Balsiger betont aber: "Wir haben kein Helferproblem! Wir haben viele tolle Helferinnen und Helfer in Sachen Buvette beispielsweise, aber beim Vorstand, da happert es ein bisschen." Trotzdem, profitieren heutzutage die Leute einfach mehr vom vielfältigen Freizeitangebot ohne etwas zurückzugeben? Lukas Herren hat dahingehend schon interessante Gespräche gehört. „Es kam auch schon die Aussage, ich bezahle ja den Mitgliederbeitrag, so habe ich auch das Anrecht hier Fussball zu spielen und um den Rest muss ich mich nicht mehr kümmern. Herren kommt zum Schluss
Das Vereinsleben, wo man auch mal etwas nicht monetäres zurückgeben muss, gibt es heute nicht mehr oft
Kurzfristig wohl keine Lösung
Die rasche Lösung für das Problem sehen sowohl Lukas Herren als auch Urs Balsiger nicht. „Wenn es die rasche Lösung geben würde, hätten wir wohl nicht seit einem Jahr einen unbesetzten Posten“, führt Balsiger aus. Lukas Herren seinerseits sieht auch die Vereine in der Verantwortung. „Es liegt auch an uns, ein Vorstandsamt so angenehm wie möglich zu gestalten, mit der Zeit zu gehen. Beispielsweise muss es in Zukunft möglich sein, die Lasten für ein Amt auf mehrere Schultern zu verteilen.“ Darin sieht Lukas Herren einen mittel- bis langfristigen Weg. Und Urs Balsiger hofft, die Posten für den TK Nachwuchs und Spitzensport schnellstmöglich besetzen zu können. „Sonst müssen wir auch für externe Lösungen offen sein, das ist aber nicht was wir anstreben.




