Bankomatensprengungen: in Freiburg überdurchschnittlich oft
Zum ersten Mal wurde im Sensebezirk ein Bankomat gesprengt. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass solche Delikte zunehmen.

In der Nacht auf Montag, den 16. Oktober, kurz vor 02:00 Uhr, ist in Schwarzsee der Raiffeisen-Bankomat in die Luft geflogen. Unbekannte sprengten den Automaten und flohen mit einer unbekannten Menge an Bargeld. Die Kantonspolizei geht von mehreren Tätern aus, die sich danach in einem dunklen Fluchtfahrzeug aus dem Staub machten, wie sie gegenüber RadioFr. bestätigt.
Die Sprengung eines Bankomaten im Sensebezirk ist indes ein Novum. Christa Bielmann, Sprecherin der Kantonspolizei Freiburg, will aber noch nicht von einer neuen Art des Banküberfalls sprechen. "In der Tat stellen wir eine Häufung von Bankomatensprengungen im Kanton fest. Bevor wir aber gleich von einer neuen Art von Banküberfall sprechen können, mit welcher in Zukunft zu rechnen ist, müssten wir erst noch weitere Abklärungen treffen."
2022 so viele Sprengstoffangriffe wie noch nie
Ein Blick in die Statistik zeigt: Im letzten Jahr gab es gesamtschweizerisch so viele Angriffe auf Bankomaten mit Sprengstoff wie noch nie in den letzten fünf Jahren (vgl. dazu Statistik von Fedpol). Das Bundesamt für Polizei Fedpol teilt Angriffe auf Bankomaten in mehrere Kategorien ein. Darunter auch Angriffe mit Gas und Sprengstoff, die beide zu einer Explosion führen können.

Was laut dem Fedpol 2022 nicht beobachtet wurde, aber in Zukunft vermehrt zu erwarten ist, sind elektronische Manipulationsversuche. Dabei würden Hacker auf das Betriebssystem des Automaten zugreifen und die Geldausgabe provozieren.
Vier der 28 Sprengungen im Jahr 2022 entfallen auf den Kanton Freiburg. Frapp berichtete:
Westen des Landes deutlich häufiger betroffen
Interessant erscheint ausserdem, dass die West- und Nordwestschweiz deutlich häufiger von Angriffen auf Bankomaten betroffen ist. Auch im Mittelland und im Wallis gab es in den letzten fünf Jahren Angriffe auf Bankomaten. In der Zentral- und Ostschweiz sowie im Tessin wurden jedoch nur vereinzelt Angriffe registriert. Wie das Fedpol schreibt, sind solche Angriffe üblicherweise kriminellen Banden zuzuordnen. Dabei passten Sprengungen mit Gas in das Muster von serbischen und rumänischen Banden. Holländische, aber auch rumänische Banden würden sich eher an Sprengstoff bedienen. Andere Arten, wie Werkzeugangriffe, gingen am ehesten auf albanische Banden zurück. Das Fedpol greift bei diesen Aussagen auf bisherige Ermittlungen zurück.

Ein Angriff auf einen Bankomaten erfordere Schnelligkeit, Know-how und die entsprechenden Werkzeuge.
Schwarzseefall passt ins Muster
Der Angriff in Schwarzsee passt ins Muster. Bisherige Ermittlungen haben einen Angriff mit Sprengstoff bestätigt. Christa Bielmann sagt zudem:
Wir gehen davon aus, dass mehrere Täter am Werk waren, und die Erfahrung zeigt, dass man in diesem Fall von Bandenkriminalität ausgehen kann.
Ob dadurch allerdings die Chancen steigen, die Täter zu fassen, ist fraglich. Eine Grossfahndung der Polizeikorps Freiburg, Waadt und Bern sowie der Einsatz eines Helikopters der Luftwaffe blieben ohne Erfolg. "Wir hoffen auf die Mithilfe aus der Bevölkerung und rufen Personen, die etwas gesehen haben, dazu auf, sich bei uns zu melden", so Polizeisprecherin Bielmann. Momentan würde die Polizei die Auswertung der Spurensicherung abwarten. Auf diese Weise könnten sich auch noch Wochen nach der Tat wieder neue Indizien ergeben.
Die Raiffeisenbank Schweiz wollte auf Anfrage von RadioFr. keine Stellungnahme abgeben.



