Früher Käserei, heute Pilgerherberge
Cornelia Fasel führt in Heitenried in der alten Käserei eine Pilgerherberge, ein Bistro und einen Pflanzen-, Deko- und Geschenkartikel-Laden.

Cornelia Fasel führt das Depot Gartenhandwerk in der alten Käserei in Heitenried. Das Depot ist vielseitig: Im Ladenlokal können ein regionales Café getrunken, ein Feierabendbier genossen oder auch Pflanzen, Deko- oder Geschenkartikel gekauft werden. Aber auch eine Pilgerherberge ist in der alten Käserei integriert. "Es ist eigentlich ein wenig alles zusammen, und das macht die spezielle Kombination dieses Projekts aus", fasst es Cornelia Fasel zusammen. Durch den Mix an Leuten, die bei ihnen einkehren - Pilgerinnen und Pilger, Personen aus Heitenried sowie den Nachbardörfern - sei es sehr lebendig in der alten Käserei.
Die Pilgerherberge existierte schon länger. Darin bietet sie einen Schlafsaal mit fünf Betten sowie Aufenthaltsraum, Toilettenbereich und den Bereich rund ums Haus an. Die Herberge sei laut Fasel für Pilger und Reisende. "Aber Pilger haben schon Vorrang", so Fasel. Und dabei kehren Personen von überallher ein: Die meisten seien aus Deutschland und Österreich. Das weiteste sei bisher Warschau gewesen.
Mit dem Pilger aus Warschau verbindet Cornelia Fasel eine spezielle Geschichte: "Eines Morgens klingelte es um 07.30 Uhr bei der Pilgerherberge. Und dann stand da ein bärtiger Mann mit riesigem Rucksack vor der Türe und fragte, ob er etwas hereinkommen dürfte, da er draussen übernachtet habe." Sie bemerkte, dass er unterkühlt war - es handelte sich um eine frostige Oktobernacht. Er konnte sich dann etwas in der Herberge erholen und dabei kamen sie ins Gespräch: "Der hat vor, von Warschau auf Santiago zu pilgern, von da aus nach Nordafrika und dann nach Jerusalem - unglaublich." Da er aber nicht so viel Geld hatte, übernachtete er so oft wie möglich draussen und sei auf "Goodwill" von anderen angewiesen.
Inspiriert von Dorfbeizchen in den Azoren
Auf die Idee zu einem Lokal mit solch einem Mix an Angeboten kamen sie einst bei einer Reise in den Azoren. Dort hätten sie viele kleine Dörfchen gesehen - zum Teil auch nur ein paar Häuser gross - aber jedes dieser Dörfchen hatte ein eigenes Beizchen mit Laden, teils mit Bäckerei, teils mit Pizzeria. Da dachten sie, so etwas sollte man auch in Heitenried machen: "Die Leute kamen zusammen, tauschten sich aus, einige blieben etwas länger, andere nur kurz, aber das war so cool." Aktiv gesucht haben sie daraufhin aber nicht. Eher aus Zufall ergab sich dann eine Möglichkeit mit der alten Käserei: "Vor einem Jahr besichtigten wir sie das erste Mal und haben uns gleich verliebt in die Lokalität."
Nun geniesst Cornelia Fasel den Austausch mit den vielen Gästen. Am spannendsten ist es für sie, wenn ihr Natel klingelt und sie sieht, dass es wahrscheinlich ein Pilger ist wegen der ausländischen Nummer. "Das ist dann wie eine Wundertüte: Man weiss nie so recht, was einen erwartet." Dann geht sie raus und kommt mit den Leuten ins Gespräch. "Das ist das, was Energie gibt und Spass macht", so Cornelia Fasel.



