Drogenanbau in Deutschfreiburg mit dem Segen des Bundes

Verschiedene Schweizer Städte wollen demnächst Cannabis an Testpersonen abgeben. Der THC-haltige Hanf dazu stammt aus dem Seebezirk.

Hanf hat in den letzten Jahren als landwirtschaftliches Produkt an Bedeutung gewonnen. Pflanzen mit niedrigem THC-Gehalt, sogenanntes CBD, wird immer beliebter.

Momentan ist Erntezeit, auch auf dem Betrieb des Bioproduzenten Manfred Wolf in Ried bei Kerzers. Dort ist der Hanfanbau in den Händen der Firma Swiss Extract, die bei Wolf und anderen Landwirten der Region zu diesem Zweck Land gepachtet hat – 18 Hektaren insgesamt, rund 25 Fussballfelder.

Der grösste Teil des Hanfs gedeiht im Freien, ein kleiner Teil aber auch im Gewächshaus. In einem dieser Gewächshäuser fällt eine kleine Fläche besonders auf: Umzäunt, mit Stacheldraht gesichert und videoüberwacht. Vor zwei Jahren hat das Bundesamt für Gesundheit BAG der Firma Swiss Extract eine Forschungslizenz für einen THC-Anbau erteilt. Das BAG will damit Studien mit Cannabis ermöglichen, der in der Schweiz ansonsten nur auf illegalem Weg erhältlich ist.

Aus 40 Sorten werden fünf

Noch haben die Studien nicht begonnen. Swiss Extract aber hat letztes und dieses Jahr auf dem Testgelände bis zu 40 verschiedene THC-haltige Sorten angebaut. Es gehe darum, herauszufinden, wie gesund die Pflanzen im Bioanbau gedeihen, sagt Stefan Strasser von Swiss Extract. "Schliesslich werden sich wohl fünf bis sechs Sorten herauskristallisieren, mit denen wir nächstes Jahr weiterarbeiten werden."

Nach der zweijährigen Testphase haben Strasser und seine Geschäftspartner bereits wichtige Zwischenerkenntnisse gewonnen. "Es gibt Pflanzen, die eher auf Pilzbefall anfällig sind, andere eher auf Schädlinge, und dann gibt es auch ein paar recht resistente", sagt Strasser, Chief Technology Officer bei Swiss Extract.

Endstation Kehrrichtverbrennung

Geerntet wurden die THC-haltigen Pflanzen vor wenigen Wochen. "Wie haben die Blüten vom Stiel getrennt und mit verschiedenen Methoden getrocknet. Jetzt machen wir noch Lagerungs- und Stabilitätstests", erklärt Strasser. So erhofft er sich weitere wichtige Erkenntnisse, wenn Swiss Extract nächstes Jahr erstmals THC-Hanf anbaut, der dann von den Testpersonen auch konsumiert wird.

Die Endprodukte der diesjährigen Ernte hingegen werden laut Strasser vernichtet: "Das geht alles in die Kehrrichtverbrennung, unter den Augen der Polizei und der Kantonschemikerin."

Erfahrene Kiffer gesucht

Gespannt blickt Strasser auf das kommende Jahr. „So wie es jetzt aussieht, wird es nächstes Jahr ernst“. Swiss Extract ist mit verschiedenen grossen Schweizer Städten wie Bern oder Basel in Kontakt, die entsprechenden Studien planen. Am weitesten ist Zürich. Dort ist das Projekt "Züri Can – Cannabis mit Verantwortung" weit fortgeschritten. Voraussichtlich in einem Jahr soll dort Cannabis für Studienzwecke verfügbar sein, teilt die Projektverantwortliche Silvana Trapasso auf Anfrage von RadioFr. mit. Dann werden auch die Testpersonen rekrutiert. Sie müssen volljährig sein, bereits regelmässig Cannabis konsumieren und den Wohnsitz in der Stadt Zürich haben.

Bis Ende dieses Jahres suchen die Stadtzürcher Gesundheitsdienste Apotheken und sogenannte "Social Clubs", die den Cannabis abgeben. "Social Clubs" sind nicht-kommerzielle Vereine, die im Rahmen der Studie das Cannabis legal kaufen und weiter verkaufen. Dazu führen sie ein Vereinslokal, indem die Testpersonen Cannabis auch gemeinsam konsumieren können.

Die Studie soll zeigen, wie sich Kiffen auf die Gesundheit und das Konsumverhalten auswirkt. Dabei werden Vergleiche zur Situation im gegenwärtigen Schwarzmarkt gemacht. Ziel ist laut Trapasso Verbesserungen in der öffentlichen Gesundheit und der Sicherheit sowie beim Jugendschutz.

Medizinalcannabis – ein Markt mit Zukunft

Swiss Extract als Produzent verdient am Pilotprojekt nichts, erhofft sich aber wichtige Erkenntnisse über Cannabis als Medizinprodukt. Denn das ist das langfristige Ziel. Bereits heute lässt das BAG Cannabis für gewisse medizinische Zwecke zu, sei es bei Krebs oder Multipler Sklerose. Auf diesen Markt setzen viele Hanfproduzenten grosse Hoffnungen.

RadioFr. - Patrick Hirschi