Fusion von Grossfreiburg bekommt Gegenwind

Die Fusion von Grossfreiburg sorgt für politische Diskussionen. Wir sprachen mit Befürwortern und Gegner vom Zusammenschluss.

Die Agglomeration Freiburg hat ein Grossprojekt vor sich. Aus neun Gemeinden soll eine werden: Avry, Belfaux, Corminboeuf, Freiburg, Givisiez, Granges-Paccot, Marly, Matran und Villars-sur-Glâne. Zusammen wäre man die neunt grösste Stadt der Schweiz. Lange sah es danach aus, als ob alle Betroffenen die Idee gut finden. Doch nun hat sich eine Opposition gebildet.

Kurz vor dem Jahreswechsel hat sich eine Widerstandsgruppe gemeldet, die gegen die Fusionspläne der Agglomerationen ist. „Non à la fusion du Grand Fribourg“, nennt sich der Verein. «Man will nicht die Fusion stürzen, sondern vor allem den Dialog anregen», sagt der Präsident Ian Peiry. Ziel sei, dass das Konzept der Fusion nochmal überdenkt werde. Ian Peiry findet darum die Konsultativabstimmung im September eine gute Lösung. Falls dort mehrere Gemeinden sagen, dass sie mit der Fusion nicht einverstanden sind, könnte man danach wenigstens noch den Perimeter anpassen, um dann im 2022 mit einem konkreten und definitiven Projekt vor das Volk zu gehen.

Bei den Befürwortern der Fusion sieht man den Widerstand gern. «Wenn es eine Opposition gibt, dann gibt es auch einen demokratischen Entscheid», sagt Ruth Lüthi, Co-Präsidentin vom Verein Fusion 2021. «Für die Bevölkerung ist es spannend zu sehen, wer dafür und wer dagegen ist. Und warum man dafür oder dagegen ist.»

Zweisprachigkeit ist ein Knackpunkt

Am meisten kritisiert wird die «künstliche Zweisprachigkeit», die geschaffen werde. Ian Peiry erläutert, dass bei einer Ratio von 90 zu 10 keine wirkliche Zweisprachigkeit herrsche. Ein Grossteil der Gemeinden sei französischsprachig und ihnen müsse man zuerst via Bildung die Möglichkeit geben, zweisprachig zu werden. Für die Fusions-Befürworter wie Ruth Lüthi hingegen ist die Zweisprachigkeit nicht zu verhandeln – sie sieht es gar als Chance. «Die Stadt Freiburg muss als Hauptstadt eines zweisprachigen Kantons klar zweisprachig sein.»

Mitglieder aus der Politik in der Opposition

Die politische Debatte könnte noch hohe Wellen schlagen, denn die Gegner der Fusion haben schon zwei politische Schwergewichte mobilisiert. So erklärt Ian Peiry, dass von ihren 27 Mitgliedern zirka ein Drittel Links, von der SP und CSP, seien. Ein Drittel mehr oder weniger Rechts, darunter auch zwei Präsidenten von Kantonsparteien, nämlich von der CVP und der FDP. Und ein weiterer Drittel sind Leute, die politisch noch nicht aktiv, aber nicht zufrieden sind mit den derzeitigen Fusionsplänen. Wie die Kantonsparteien der CVP und FDP hinter der Position ihrer Präsidenten stehen, ist noch nicht bekannt. Doch solche Persönlichkeiten geben der Opposition mehr und mehr Gewicht und die politische Fusionsdebatte wird damit richtig lanciert.

RadioFr. - Philipp Bürgy / nschn