Getrickst bei der Zweisprachigkeit

Die einzig wirklich zweisprachige Gemeinde im Kanton Freiburg ist Courtepin. Geschafft hat sie dies aber auch nur dank eines Tricks.

Zwei offizielle Sprachen in einer Gemeinde – Nein, das geht nicht, sagt die Stadt Freiburg, die mit acht anderen Gemeinden über eine Fusion diskutiert. Doch, es geht, zeigt eine andere Gemeinde – nämlich Courtepin im Seebezirk.

Vor der Fusion mit Courtaman – vor knapp 20 Jahren – hatte Courtepin ein Viertel Deutschsprachige. "Courtaman war immer zweisprachig. Damals kam es immer auf den Gemeinderat darauf an, ob dieser mehrheitlich deutsch gesprochen hat oder französisch", sagt der ehemalige Gemeindeschreiber Reto Hauser.

Bernard Bourqui war zum Zeitpunkt der Fusion Syndic von Courtepin. Für beide seien die Zweisprachigkeit eine Grundvoraussetzung gewesen. "Ohne die Zweisprachigkeit, hätten wir keine Fusion gewollt", erklärt Bourqui. Hauser bestätigt.

Der Kanton hat das aber anders gesehen. Er sagte damals, dass die Gemeinde nicht zweisprachig sein konnte. Darum haben sich die Vertreter der Gemeinden einen Trick ausgedacht. Sie haben es in der Fusionsvereinbarung etwas anders hineingeschrieben: Die Politik der Gemeinde fördert die Zweisprachigkeit – die Verwaltung, die Reglemente sowie die Gemeindeversammlungen sollen zweisprachig sein. So habe es der Kanton akzeptiert.

Als vor circa fünf Jahren weitere Gemeinden dazu fusioniert wurden, habe Courtepin diese Regelung eins zu eins übernommen. Trotzdem ist Bourqui erstaunt, wie der Kanton Freiburg mit der Zweisprachigkeit umgeht: "Wir sagen immer, dass der Kanton Freiburg billingue ist. Plötzlich will man nicht mehr billingue sein, das verstehe ich nicht."

Dass der Kanton das rechtlich mit einem Sprachengesetz lösen soll, sei wichtig. Und Freiburg könne sich ein Vorbild an Courtepin nehmen. Wichtig sei vor allem, dass man die Zweisprachigkeit lebe, erklärt Hauser.

RadioFr. - Yves Kilchör / Fabian Aebischer