Nur Basel überwintert im Europacup

Aus Schweizer Sicht ist nur noch der FC Basel im Europacup vertreten. Es ist die siebente Saison in Folge, in der höchstens ein Schweizer Team europäisch überwintert.

Die Basler gratulieren sich zum Einzug in den Sechzehntelfinal © KEYSTONE/EPA/PHOTOLURE

Die europäische Saison ist aus Schweizer Sicht bislang einmal mehr durchschnittlich verlaufen. Die Qualifikation des FC Zürich für die Gruppenphase der Europa League war das höchste der Gefühle. Der Schweizer Meister - die beiden Auftritte gegen PSV Eindhoven ausgenommen - präsentierte sich zwar oft besser als in der Meisterschaft. Er sammelte aber trotzdem nur drei Punkte und schied als Gruppenletzter aus.

Der FC Basel hat sich in der Conference League ebenfalls für die Gruppenphase qualifiziert, wobei er in den insgesamt drei Qualifikationsrunden mehrmals Mühe bekundete. Das am Donnerstag sichergestellte europäische Überwintern ist ein Erfolg mit Abzug in der B-Note. Denn in der Gruppe mit Slovan Bratislava, Pjunik Jerewan und Zalgiris Vilnius hatte Basel eigentlich den 1. Platz und damit die direkte Achtelfinal-Qualifikation angestrebt. Mit dem 2. Platz muss der FCB in die Sechzehntelfinals, in denen er auf einen Drittplatzierten der Europa League trifft.

Bitter war das Ausscheiden der Young Boys in der Qualifikation für die Conference League. Mit Anderlecht hatte der Meisterschafts-Dominator aus Bern zwar eines der besseren Teams als Gegner erwischt, jedoch bei weitem kein unbezwingbares. Die Belgier sind in der Meisterschaft derzeit bloss im 10. Rang klassiert und haben sich in ihrer Conference-League-Gruppe nur mit Müh und Not für die Sechzehntelfinals qualifiziert.

Cupsieger Lugano blieb in der Qualifikation am israelischen Vertreter Hapoel Beer Sheva hängen.

Basel als europäischer Primus

Damit wird erneut einzig der FC Basel im Frühjahr die Schweizer Fahne auf europäischer Bühne hochhalten. In den letzten zehn Jahren tat er dies sieben Mal und ist damit der klar erfolgreichste Schweizer Klub. Die Young Boys, die in der Liga Basel als Primus längst abgelöst haben, erreichten im selben Zeitraum zwar sieben Mal die Europacup-Gruppenphase, in die K.o.-Runde stiessen sie aber nur zweimal vor. Je einmal in eine europäische Finalrunde geschafft haben es Zürich und Sion.

Das letzte Mal, als sich zwei Schweizer Teams für die europäische K.o.-Phase qualifiziert hatten, war in der Saison 2015/16 (Basel und Sion in der Europa League). Es folgte eine Saison ganz ohne Schweizer Vertretung im Frühjahr, seither überwinterte sechs Mal in Serie jeweils ein Team.

Die Bilanz zeigt, dass es für Schweizer Mannschaften in Europa schwierig bleibt - oder sogar immer schwieriger wird. Denn in der Saison 2017/18 erreichte Basel die K.o.-Phase noch in der Champions League. Es folgten drei Saisons, in denen Schweizer Teams in die Finalrunde der Europa League vorstiessen (Zürich, Basel, YB). Seit der Einführung der Conference League war die Schweiz im Frühjahr nur noch im dritthöchsten europäischen Wettbewerb vertreten.

Die Schweiz und der Kampf um die Top 15

Diese negative Tendenz wirkt sich auch auf den Koeffizienten aus, aufgrund dessen die UEFA die Anzahl der Plätze in den europäischen Wettbewerben an die Länder vergibt. Je besser klassiert ein Land ist, desto mehr Teams können im Europacup teilnehmen. Punkte gibt es für Siege oder Unentschieden, die Ausbeute wirkt sich jeweils auf die übernächste Saison aus.

Eine Zäsur gibt es nach den ersten 15 Plätzen. Nicht nur die Anzahl der Europacup-Plätze wird kleiner, auch der Weg in die Wettbewerbe wird schwieriger. Das war in dieser Saison für die Schweizer Teams zu beobachten. Es galt in den Qualifikationen so viele Hürden zu überspringen wie schon lange nicht mehr. Dies, weil die Schweiz in der Koeffizient-Rangliste - auch Fünfjahreswertung genannt - aus den Top 15 gefallen war. Da sie den Platz in der Vorsaison zurückeroberte, treten in der Saison 2023/24 wieder mehr Teams in den Qualifikationen für den Europacup an.

Auch in dieser Saison sind die Top 15 umkämpft. Die derzeit auf dem 13. Platz liegende Schweiz profitiert davon, dass von acht Ländern in den Rängen dahinter deren fünf keine Teams mehr im Europacup haben und somit keine Punkte mehr sammeln können. Norwegen (mit Bodö/Glimt, möglicher Sechzehntelfinal-Gegner von Basel), die Ukraine (Schachtar Donezk und Dnipro) sowie Dänemark (Midtjylland) könnten die Schweiz noch überholen.

Für Basel geht es in den Sechzehntelfinals am 16. und 23. Februar in erster Linie ums Weiterkommen. In zweiter Linie kann er mit einer guten Punkteausbeute aber auch dafür sorgen, dass die Schweizer Teams in den kommenden Saisons wieder einfachere Voraussetzungen haben, sich für die europäischen Wettbewerbe zu qualifizieren.

SDA
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