Besuch der Schweizer Bischöfe beim Papst Franziskus
Der Bischof der Bistümer Lausanne, Genf und Freiburg erzählt von seinem Aufenthalt im Vatikan und den Gesprächen mit Papst Franziskus.

Es ist eine Tradition, dass Bischöfe aus der ganzen Welt etwa alle fünf Jahre in den Vatikan reisen, um mit dem Papst über die Zukunft der Kirche zu diskutieren und mit ihm über die Situation in den verschiedenen Bistümern zu sprechen. Vom 22. bis 27. November hielten sich sechs Schweizer Bischöfe sowie zwei Territorialäbte in Rom auf. Sie führten Gespräche mit Papst Franziskus.
"Er hat sich wirklich Zeit für uns genommen und war sehr wohlwollend. Er hat uns auch gleich zu Beginn gesagt, dass wir einfach reden sollen, ohne Angst zu haben, Themen anzusprechen, die ärgerlich sein könnten", erzählt Charles Morerod. Was ihn vor allem "umgehauen" habe, war, dass Papst Franziskus sich noch an eine Anekdote erinnerte, die er ihm vor drei Jahren erzählt hatte.
Charles Morerod hat 2018 auf dem Weg nach Genf einer Frau geholfen, die Mühe hatte zu laufen, in eine Bahn zu steigen. Die Frau sagte zu ihm: "Wissen Sie, ich bin Protestantin, aber ich mag Sie trotzdem". Der Bischof der Bistümer Lausanne, Genf und Freiburg schmunzelt: "Er hat ein erstaunliches Gedächtnis, dieser Mann".
"Der Blick muss auf die Opfer gerichtet sein"
Bei dem Gespräch mit dem Papst ging es auch um die Schwierigkeiten, mit denen die Kirche heute in der Schweiz konfrontiert ist. Insbesondere mit dem negativen Image der katholischen Institution in der Bevölkerung und einem Rückgang der Zahl der praktizierenden Christen. "Wir haben uns ermutigt gefühlt. Unsere Sorgen und Fragen werden gut verstanden", kommentiert Charles Morerod. Es wurde auch über die Erneuerung des Glaubens gesprochen. "Für den Papst ist es wichtig, einander zuzuhören, allen zuzuhören, einen Dialog in der Kirche zu führen".
Während ihres Aufenthalts im Vatikan sprachen die Schweizer Bischöfe auch über Themen, die spalten können: Die Stellung der Frau in der Kirche und die sexuellen Missbrauchsfälle durch Priester, die in der Bevölkerung Misstrauen hervorrufen. "Dieses Misstrauen ist verständlich. Lange Zeit wurden die Dinge verheimlicht", sagt der Bischof von Freiburg. "Man muss den Opfern zuhören, von ihnen lernen, das Leid sehen, das anderen zugefügt wird, und die Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft."




