Die Migros bricht mit der Tradition

Alkohol in der Migros: was lange undenkbar war, wird in Zukunft möglich.

Die letzte Delegiertenversammlung der Migros zeigte ein klares Resultat. Mit 85 zu 22 Stimmen haben die Anwesenden einer Statutenänderung zugestimmt. Der Verkauf von Alkohol soll grundsätzlich möglich sein.

Die definitive Abstimmung der zehn Migros-Genossenschaften zu diesem Thema soll voraussichtlich im Juni 2022 stattfinden, wobei jede eigenständig entscheiden kann. Wenn sich zwei Drittel der Genossenschafterinnen und Genossenschafter für den Alkoholverkauf aussprechen, kommen die alkoholischen Getränke auch tatsächlich in die Läden.  In zwei Jahren könnten dann Wein, Bier und Schnaps gekauft werden.

Für Etienne Rumo, Professor an der Hochschule für Wirtschaft Freiburg, ist der Entscheid der Migros logisch und nachvollziehbar. "In der Vergangenheit handelte es sich um einen ethischen Grundsatz, keinen Alkohol zu verkaufen." Den Grund für den Sinneswandel sieht Rumo bei der Konkurrenz und der Anziehungskraft von Alkohol auf Kundinnen und Kunden.

Das Blaue Kreuz hingegen bedauert den Entscheid der Delegierten der Migros. "Für ehemalige Suchtkranke ist er eine ernsthafte Gefährdung, die nicht nötig wäre", sagt Philipp Hadorn, Präsident der Fachorganisation für Suchtfragen. Die Migros sei bekannt für ihr gesellschaftliches und kulturelles Engagement - dazu gehört laut Hadorn auch, keinen Alkohol anzubieten. Gerade aus diesem Grund würden Sozialdienste ihren Klientinnen und Klienten Migros-Gutscheine geben. Er kann sich vorstellen, dass die Entscheidung der Migros negative Reaktionen hervorruft und zu einem Bumerang fürs Geschäft wird.

RadioFr. - Martin Zbinden