"Geldspenden sind nützlicher als Tonnen von Kleidern"
Private Hilfsaktionen für die Menschen aus der Ukraine werden immer zahlreicher. Ratschläge vom Direktor des Freiburgischen Roten Kreuzes, Charles Dewarrat.

Mehr als eine Million Ukrainerinnen und Ukrainer sind seit dem Angriff Russlands am 24. Februar aus ihrem Land geflohen. Nach der Invasion hat sich in der Schweiz und in Europa schnell eine riesige Welle der Solidarität ausgebreitet. Mehrere Freiburgerinnen und Freiburger haben Hilfsaktionen gestartet.
Die Initiativen, die von Einzelpersonen ausgehen, sind zwar wohlwollend, entsprechen aber nicht immer den tatsächlichen humanitären Bedürfnissen. "Es ist möglich, Material zu sammeln, es in einen Lastwagen zu laden und auf eigene Faust zu transportieren. Aber was ist, wenn man eine Grenze nicht überqueren kann? Eine solche Logistik ist teuer und kompliziert", sagt Charles Dewarrat, Direktor des Freiburgisches Rotes Kreuz. "Wir erleben eine überwältigende Welle der Solidarität, aber wir müssen sie kanalisieren."
Anerkannte Organisationen
Nach einer Woche scheinen zum Beispiel die Kleiderspenden an ihre Grenzen zu stossen. "Geldspenden sind sinnvoller als das Sammeln von Tonnen von Kleidern", sagt Charles Dewarrat.
Vorsicht ist geboten, wenn man jemanden Geld gibt: "Wenn man einer Privatperson, die man nicht kennt, Geld überweist, ohne sich vorher zu informieren, geht man ein Risiko ein", erklärt der Experte. "Man sollte nicht überstürzt handeln, nur weil man ein trauriges Bild sieht." Das Zewo-Gütesiegel ist seiner Meinung nach eine Garantie für Zuverlässigkeit.
Schweiz bereit zur Aufnahme
Derzeit sind der Zugang zu sauberem Trinkwasser und die Gesundheitsversorgung laut dem Schweizerischen Roten Kreuz von entscheidender Bedeutung. Vorsicht aber bei Medikamentenspenden: "Auch hier ist die Logistik kompliziert, da das Material sortiert werden muss." Die NGO, die mit ihrem ukrainischen Pendant zusammenarbeitet, schickt keine solchen Produkte.
Neben der Nothilfe stellt sich auch die Frage nach der Aufnahme von Flüchtlingen. Der Bundesrat will das Aufenthaltsrecht für ukrainische Flüchtlinge erleichtern. "Man spürt in der Schweiz, dass die Bevölkerung bereit ist, sie aufzunehmen, denn sie sind unsere Nachbarn", freut sich Charles Dewarrat. "Ich denke, dass diese Gastfreundschaft überall in Europa ähnlich sein wird."




