Nsame verdankt das Aufgebot auch dem Klub

Jean-Pierre Nsame ist der gegnerische Spieler, den man in der Schweiz am besten kennt, wenn die Schweiz am Donnerstag ab 11.00 Uhr mit dem Match gegen Kamerun ihren Einstand ins WM-Turnier gibt.

Jean-Pierre Nsame für einmal im Tenü der unzähmbaren Löwen © KEYSTONE/LAURENT GILLIERON
Torjubel mit den Young Boys: So kennt man Jean-Pierre Nsame © KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE
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Breel Embolo und Jean-Pierre Nsame werden sich mit ihren Nationalmannschaften Schweiz und Kamerun als Widersacher gegenüberstehen. Aber in den Wochen vor ihrem ersten Auftritt in Katar teilen sie etwas: Beide werden sie Dutzende von Malen gefragt, was ihnen dieses Spiel bedeute. Etwas Spezielles, etwas Besonderes? Beide antworten jedes Mal mit einem deutlichen Ja.

Denn beide sind in Kameruns Hauptstadt Yaoundé geboren, und beide haben engste Beziehungen zur Schweiz. Die Mutter zog mit klein Breel früh in die Schweiz. Er ging als Bub den klassischen fussballerischen Weg in Basel: Nordstern, Old Boys, FC Basel. 2014, mit 17 Jahren, bekam er den Schweizer Pass. Er spielte ab der U16 für die Schweizer Auswahlen. Trotz seines verhältnismässig geringen Alters von 25 Jahren hat er 58 Spiele für die A-Nati absolviert. Wäre er nicht verschiedene Male verletzt gewesen, wären es noch mehr.

Durchbruch in Bern

Embolo und Nsame haben in ihren Biografien mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Sie sind sich in den Stadien nie über den Weg gelaufen. Embolo begann für Schalke zu spielen, als Nsame auf die Saison 2016/17 von Angers, aus Frankreich, wo er seit dem 6. Lebensjahr lebte, in die Schweiz zu Servette in die Challenge League kam. In Angers hatte sich Nsame nicht durchgesetzt, für zwei Saison wurde er an unterklassige Klubs ausgeliehen.

Seine jetzt noch anhaltende Blütezeit erreichte Jean-Pierre Nsame bei den Young Boys, und dies nicht nur als zweifacher Torschützenkönig in der Super League.

So ist denn die Frage logisch, als was er sich fühle. Als Kameruner, als Franzose oder unterdessen auch als Schweizer? "Ich bin multikulturell" sagte Nsame vor der Abreise nach Katar in einem Interview mit dem "Blick" mit etwas Diplomatie. "Ich bin Europäer mit afrikanischer Abstammung. Das ist eine gute Mischung."

Nsames Verbindungen zu seiner Heimat sind noch immer sehr gut, wie er sagt. "Meine Familie, meine Verwandten sind in Kamerun, und meine Mutter auch. Ich telefonierte lange mit meine Mutter, als ich für die WM selektioniert war. Ich telefoniere etwa alle zwei Wochen mit ihr. Da vernehme ich immer alles, was in Kamerun gerade passiert. Aber ich vergesse eben auch nicht, dass ich mit meiner Kultur ein Europäer bin."

Die Freude in der Garderobe

Nsame hatte nicht fest damit gerechnet, dass Nationalcoach Rigobert Song, als Spieler in Kamerun zur Legende geworden, ihn aufbieten würde. "Als wir mit den Young Boys im Cup in Lausanne gewonnen hatten, entdeckte ich in der Garderobe viele Nachrichten auf dem Handy, viel mehr als sonst nach einem Spiel. Ich wusste nichts davon, aber dann sah ich, dass mir alle für das Aufgebot gratulierten. Ich selber bedankte mich sofort bei allen von YB. Denn ich habe das Aufgebot nicht alleine erreicht. Es war nicht nur meine Arbeit, es war auch die tägliche Arbeit der Mannschaft, des Klubs. Ich wollte diese erfreuliche Nachricht unbedingt mit ihnen teilen."

Nsame ist es durchaus bewusst, dass Spieler wie etwa Eric Maxim Choupo-Moting, Karl Toko Ekambi und Vincent Aboubakar in Kameruns Offensive vor ihm genannt werden. Er weiss auch nicht, wie viel Einsatzzeit er bekommen wird. Aber das ist ihm gerade recht: "Ich ziehe es vor, nicht im Vordergrund zu sein. Ich will mich auf dem Platz zu zeigen versuchen. Ich drücke mich aus, wenn ich den Ball in den Füssen habe. Ich bin kein Fan von grossen Worten."

"Details werden entscheiden"

Im ersten WM-Match wird Jean-Pierre Nsame ausgerechnet gegen die Schweiz spielen. Die gelbschwarzen Klubkameraden Christian Fassnacht und Fabian Rieder sind auf der Gegenseite. "Das wird für mich ein spezielles Spiel werden, ob auf der Bank oder auf dem Platz. Mir ist auch klar, dass wir es hier mit einer ausgezeichneten Nationalmannschaft mit ausgezeichneten Spielern zu tun bekommen." Und wer wird gewinnen? "Es dürfte sich alles an Details entscheiden. Ich hoffe, dass diese Kleinigkeiten für uns sprechen werden."

SDA
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