Die EW Jaun Energie AG übergibt das Zepter
Die Familie Buchs hat die restlichen Aktien von der EW Jaun Energie AG an die Groupe E verkauft.

Mehr als 100 Jahre belieferte die EW Jaun ihre Gemeinde mit eigenem Strom. Damit ist nun Schluss: Die Groupe E übernimmt als Alleinaktionärin das Unternehmen.
Grosse politische Differenzen
Im Jahr 1896 baute die Stadt Bulle in Charmey ein Wasserkraftwerk für die Talschaft. Aufgrund von politischen Differenzen errichtete Jaun siebzehn Jahre später ein eigenes Kraftwerk beim nahgelegenen Wasserfall mit relativ kleinem Verteilnetz. Der ehemalige Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer in dritter Generation, Marcel Buchs, nennt die Gründe für den Alleingang: «Jaun war stets konservativ-katholisch, die Stadt Bulle aber radikal-katholisch, das spielte damals eine grosse Rolle».
Damals wurde der Strom hauptsächlich für Licht und Bügeleisen benutzt. Buchs erzählt: «Die Kohle-Bügeleisen waren unpraktisch und die neuen elektrischen Bügeleisen waren damals der Hauptverbraucher des Stroms». Um die grossen Nachfrage nach Strom zu bewältigen, baute die Familie Buchs ein zweites Kraftwerk unterhalb der jetzigen Kirche von Jaun. So stieg die Produktion von 100’000 auf 800'000 kWh.
Nachfrage ist explodiert
Über die Jahre wuchs der Stromverbrauch weiter rasant an. Einerseits benutzten Handwerker elektrische Maschinen, auf der anderen Seite verbrauchten auch die Haushalte immer mehr Strom. Buchs erinnert sich: «Man realisierte, dass es wesentlich komfortabler zum Kochen, nur einen Knopf zu drehen, anstatt morgens eine halbe Stunde früher aufzustehen um den Kochherd anzufeuern».
Verdreifachung der Produktion
Der Jaunbach führte aber im Winter zu wenig Wasser, um die Stromversorgung zu garantieren. So schloss sich Jaun zwischenzeitlich mit Bulle zusammen. Eine zu teure Lösung für Marcel Buchs Junior, als er 1971 das Geschäft übernahm. Deshalb wurde 1982 nochmals gebaut: «Mit diesem wirtschaftlichen Kraftwerk konnten wir die Strommenge nochmals von 800'000 auf 2.4 Mio. kWh verdreifachen», erinnert sich Buchs.
Nach der Strommarktöffnung um die Jahrtausendwende, stieg der Aufwand für die drei bis vier Mitarbeiter der Firma enorm. Marcel Buchs hatte fast immer Pikettdienst: «Ich habe das getan, weil ich irgendwie in dieses Unternehmen hineinwuchs».
Die Familie Buchs hat nun per 1. Januar 2021 ihre letzten Aktien an die langjährige Aktionärin Groupe E verkauft. Marcel Buchs fällt damit eine Last von den Schultern, doch er ist auch traurig: «Ich habe schon immer in diesem Unternehmen gearbeitet und das schmerzt mich am meisten». Er bleibt aber in der einjährigen Übergangsphase Geschäftsführer.




