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Mit dem Segelboot über die Weltmeere

Seit mehr als einem Jahr sind Kristel Marbach und Philipp Reinmann mit ihrem Segelboot auf den Weltmeeren unterwegs. Ein Update aus der Karibik.

Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
Momentan segeln die beiden in der Karibik. © zvg
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Die ehemalige Spielerin der Düdingen Powercats Kristel Marbach und ihr Partner Philipp Reinmann haben den Schritt gewagt: Sie haben von der Schweiz Abschied genommen und sind mit dem Segelboot auf eine Weltreise. Sie sind im April 2021 von Griechenland aus gestartet. Nach einer langen Atlantiküberquerung sind sie nun in der Karibik angekommen.

Im Interview mit Frapp erzählen die beiden über ihre Erfahrungen, Probleme und mögliche Zukunftspläne.

Im Januar dieses Jahres habt ihr nach einer langen Atlantiküberquerung die Karibik erreicht. Wie ist das Leben in diesem Teil der Welt?

Die Inseln der Kleinen Antillen sind vielfältig und wunderschön, die Menschen offen und herzlich. Aktuell ist hier Hurrikan-Saison (Juni bis November) und viele Schiffe suchen in dieser Zeit Schutz in den Mangrovenbuchten von Grenada. Auch wir sind seit Juli in Grenada. Die Insel ist als "Gewürzinsel" bekannt - es wachsen Unmengen an Muskatnüssen, Zimt, Nelken und Ingwer. Auch die Seglergemeinschaft ist grossartig. Jeden Morgen um 07:30 Uhr findet das sogenannte "Cruisers Net" statt: Die Seglerinnen und Segler schalten ihre Funkgeräte an und tauschen Informationen aus. Man teilt und hilft sich gegenseitig, was zu Freundschaften mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Hintergründen führt. Die meisten Schiffseignerinnen und Schiffseigner haben bereits Ozeane überquert und viele spannende Geschichten zu erzählen.

Was ist seit unserem letzten Interview in eurem Leben als Reisende passiert?

Wir hatten das Pech, dass unser Motor nach zwei Monaten in der Karibik den Geist aufgab. So sind wir weit weniger gesegelt als geplant. Stattdessen haben wir vier Monate in Guadeloupe im Hafen verbracht und die Insel per Landweg kennengelernt. Zudem haben wir angefangen, als Freelancer zu arbeiten, um unsere Reise zu finanzieren. Im August wurde endlich unser neuer Motor geliefert und installiert. Bald brechen wir zu neuen Ufern auf. 

Iles des Saintes, Guadeloupe

Welche Inseln habt ihr bisher besucht und was hat euch am meisten begeistert?

Nach unserer Atlantiküberquerung segelten wir zuerst nach St. Vincent und den Grenadinen. Dazu gehört die Inselgruppe "Tobago Cays", ein wahres Schnorchelparadies mit wunderschönen weissen Sandstränden. Wir schwammen mit Meeresschildkröten, Rochen und tausenden von bunten Fischschwärmen.

Anschliessend ging es weiter nach Dominica und Guadeloupe. Zusammen mit Martinique sind diese Vulkaninseln im Vergleich zu den Grenadinen bergig, sattgrün, mit prächtigen Regenwäldern und vielen exotischen Früchten. Unser Favorit war Dominica. Die Insel liegt zwischen den beiden französischen Inseln Martinique und Guadeloupe, die beide sehr europäisch geprägt sind - was durchaus seine Vorteile hat, insbesondere für die Lebensmittelbeschaffung. Dominica ist ein eigenständiges Land und die grüne Oase der Karibik. Dichter Regenwald überzieht drei Viertel des Landes und ist durchsetzt von heissen Quellen, Seen und unzähligen Wasserfällen und Flüssen. Ein wahres Naturjuwel!

Dominica

Ist Segeln in der Karibik anders als im Mittelmeer?

Das Karibische Meer und seine Inseln sind völlig anders als das Mittelmeer. Das gilt sowohl für das Segeln als auch für die Kultur und die Lebensweise der Einheimischen. Der Vorteil der Karibik sind die Passatwinde: Der Wind bläst permanent aus Osten. Das macht die Planung einfacher als im Mittelmeer. Der Nachteil ist die sechsmonatige Hurrikan-Saison.

Auch den karibischen Rhythmus haben wir zu schätzen gelernt: Man darf nicht erwarten, dass hier alles wie am Schnürchen läuft, dass die Leute pünktlich erscheinen und die Arbeit wie in der Schweiz erledigt wird. Dafür singen die Arbeiter auf der Werft und hören Musik, die Leute lachen viel, sind entspannt und hilfsbereit. Im Vergleich zu Europa darf man nicht vergessen, dass wir uns auf abgelegenen Inseln befinden: Es ist herausfordernd, Material zu beschaffen und importierte Lebensmittel sind teuer. Man passt sich an, findet Lösungen und Alternativen. Und das ist gut so und gehört zur Erfahrung dazu.

Am Segeln auf der Amae

Habt ihr ab und zu auch Heimweh?

Natürlich vermissen wir Familie und Freunde zu Hause. Und manchmal auch den Luxus einer komfortablen Wohnung mit fliessendem Wasser und einer grossen Küche. Aber man kann nicht alles haben! Wir sind dankbar, dass wir diesen Teil der Welt kennenlernen dürfen, und haben Lust, noch mehr zu entdecken.

Hattet ihr euch vor der Abreise ein Budget gesetzt? Kommt man auf einem Segelboot mit weniger zurecht?

Die Lebenshaltungskosten sind niedriger als in der Schweiz: Wir leben auf unserem 10-Meter-Schiff, die Sonne generiert den Strom, mit den Segeln kommen wir voran und das Wasser wird an Bord entsalzen. Die Herausforderung liegt vielmehr bei den Ausgaben für das Schiff. Ein Schiff instand zu halten, erfordert nicht nur viel Arbeit, sondern auch ein grosses Budget. Wir haben diesen Punkt etwas unterschätzt. Ausserdem ist die Sonne in der Karibik stark, was das Material zusätzlich beansprucht. Wir arbeiten beide auf freiberuflicher Basis und halten uns auf diese Weise über Wasser. Das ist eine Lebensweise, die uns gefällt und bisher gut funktioniert. Aber das Budget spielt in der Tat eine grosse Rolle bei unseren täglichen, aber auch langfristigen Entscheidungen.

Was sind eure Pläne für die nächsten Wochen und Monate?

Wir wissen es noch nicht. Es gibt so viele Optionen und jede hat ihren Reiz, aber auch ihren Preis. Aktuell klären wir diverse Optionen ab (Rückreise nach Europa, Zentralamerika, Pazifik…).

Philipp Reinmann und Kristel Marbach

Ihre Reise kann man auf ihrem Blog oder auf ihrer Instagram-Seite mitverfolgen.

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RadioFr. - Audrey Raffaelli / mga
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