Mit kanadischer Power zur Unspunnen-Premiere
Am 27. August schwingt Eidgenosse Benjamin Gapany zum ersten Mal am Unspunnen-Schwinget. In unserer Sommerserie erzählt er, warum er sich so lange gedulden musste.

Benjamin Gapany gehört mit seinen 28 Jahren bereits zu den routinierteren Kräften der gemeldeten Südwestschweizer Delegation beim Unspunnen-Schwinget. Trotzdem, Gapany hat bis jetzt noch nie in Interlaken geschwungen. "Ein Fest, welches nur alle sechs Jahre stattfindet, kannst du zwei, vielleicht maximal dreimal bestreiten. Bist du dann bei einer Austragung noch verletzt wie ich 2017, wirds noch spezieller", sagt der Greyerzer. Vor sechs Jahren verletzte sich Gapany im März so schlimm, dass er die ganze Saison auslassen musste.
Ansprechendes Comeback nach Verletzungspause
Bis dato schaut Gapany auf eine ansprechende Saison zurück. Mit insgesamt sechs Kränzen, davon zwei Teilverbands- und einem Bergkranz, erfüllte er die Erwartungen. An der Fête Romande schwang sich Gapany gar bis in den Schlussgang, wo er sich Armon Orlik geschlagen geben musste. Auf dem Notenblatt hatte er unter anderem die Eidgenossen Roger Rychen und Patrick Gobeli stehen. Demgegenüber stand aber beispielsweise ein schwacher Auftritt am Schwarzsee-Schwinget, wo Gapany den Kranz verpasste. Nichtsdestotrotz darf nicht vergessen werden, dass der 28-Jährige von einer Verletzung zurückkam, die er sich am ESAF in Pratteln vor einem Jahr zugezogen hatte.
Quelle: Keystone
Die Heilung sei gemäss Gapany gar noch schneller verlaufen als erwartet.
Von Tieren und Maschinen
Gapany wurde in eine Bauernfamilie hineingeboren. Schon von klein auf wollte er ebenfalls das landwirtschaftliche Handwerk erlernen. Heute arbeitet er auf dem elterlichen Hof und, damit er den Beruf besser mit dem Spitzensport vereinbaren kann, bei einem Transportunternehmen in Marly im Teilzeitpensum. Die Leidenschaft gilt aber klar der Landwirtschaft. "Ich liebe es mit Tieren zu arbeiten. Auch die Maschinen zu bedienen macht mir sehr viel Spass." In Marsens bewirtschaftet Gapany mehrere Felder. Im Stall hausen rund 70 Milchkühe, deren Milch zur Produktion einheimischer Käsesorten verwendet wird.

Reise über den grossen Teich
Was viele von Benjamin Gapany nicht wissen, er ist quasi halb Kanadier. "Vor gut 35 Jahren kam meine Mutter aus Quebec in die Schweiz. Sie war in der Ausbildung zur Krankepflegerin und absolvierte ein Praktikum im Spital Marsens." Dort lernte sie dann Gapanys Vater kennen und blieb der Liebe wegen in der Schweiz. Obwohl Benjamin Gapany dahingehend einen grossen Bezug zu Kanada hat und auch seine Grossmutter nach wie vor im nordamerikanischen Land lebt, ist er bis jetzt noch nie nach Kanada gereist.
"Mit dem Schwingen und der Arbeit lag es bis anhin einfach noch nicht drin", erklärt Gapany. Schon bald soll sich dies aber ändern, nach der Schwingsaison 2024 will er zum ersten Mal nach Kanada fliegen. "Es ist geplant, nach der nächsten Saison eine mehrwöchige Reise durch Kanada zu machen. Dann steht natürlich auch ein Besuch bei Verwandten auf dem Programm." Doch auch hier zeigt sich Gapanys Leidenschaft für die Landwirtschaft. "In Kanada hat die Landwirtschaft eine grosse Bedeutung. Vielleicht werde ich eine Farm oder eine Ausstellung besuchen und kann sogar etwas lernen."
Und das Schwingen? Denn auch in Kanada ist der Sport im Sägemehl nicht gänzlich unbekannt. An wenigen Orten, vor allem in der Provinz Quebec gibt es kleine Schwingfeste. "Wieso auch nicht?" kommentiert Gapany die Frage, ob für ihn ein Schwingfest in Kanada auch ein Thema sei. Zuerst ist nun der Fokus aber auf den 27. August gerichtet, Benjamin Gapany Premiere am Unspunnen-Schwinget.





