Nachtschicht für Obst- und Gemüsebauern wegen Kälte
Die tiefen Temperaturen der vergangenen Nacht bereiteten Obstbauern Sorgen. Wer nicht schnell genug handelt, riskiert den Ausfall der Ernte.

In der Nacht auf Montag fiel in Düdingen das Thermometer bis auf zwei Grad Celsius. Diese unangenehme Kälte machte auch den Früchte- und Obstplantagen zu schaffen. Einen solchen Temperatursturz gibt es im April oder Mai öfters. Ist dies der Fall, bleibt Obstbäuerinnen und -bauern nichts anderes als eine Nachtschicht übrig.
Warum Obst und Beeren nicht kälteresistent sind, erklärt Dominique Ruggli vom landwirtschaftlichen Institut Grangeneuve: "Frost ist für die jungen Triebe und Früchte gefährlich. Dasselbe gilt für Obstbäume, die sich in der Blüte befinden. Die eisige Kälte kann einen Teil der Ernte zerstören." Auch für Bodennahe Kulturen wie Erdbeeren, sonstige Beeren oder Spargeln begünstige Frost den Ausfall der Ernte.
Lange Nacht für Gemüse- und Obstbauer
Gemüsebauer Kuno Werro aus Düdingen war am Montagmorgen bereits lange auf den Beinen. Er erzählt vom nächtlichen Ereignis: "Heute früh herrschte Frostalarm. Draussen auf dem Feld steht ein Sensor, der uns anzeigt, wenn der Boden anfängt, zu gefrieren." Bei einem Alarm gilt es, sofort aufzustehen und die Bewässerungsanlage in Betrieb zu setzen.
Nebst Spargeln herrschte auch bei weiteren bodennahen Erzeugnissen Frostgefahr: "Auch bei den Erdbeeren, die sich zurzeit in voller Blüte befinden, steht der Frostschutz einsatzbereit. Damit verhindern wir, dass die Blüten nicht schwarz werden." Verdunkle sich das Blütenherz, könne es aufgrund der Kälte erfrieren, erklärt Werro und ergänzt: "Mit Frostwasser tragen wir eine Eisschicht zum Schutz der Erdbeeren auf."
Zwei Grad reichen für Frost
Es gilt also, Frost mit Frost zu bekämpfen. Doch weshalb reichen bereits zwei Grad, um Beeren und Spargeln zu zerstören? "Gemäss Meteorologen liegt die Temperatur zwar nur zwei Grad über dem Gefrierpunkt. Diese Angabe wird aber auf zwei Metern gemessen. Auch in Posieux befindet sich eine Messstation. Die Temperatur dort lag bei circa 1,5 Grad, was Bodenfrost begünstigt", sagt Werro. Der Boden speichere Kälte, wodurch es um 01.45 Uhr begonnen habe zu gefrieren. Dominique Ruggli vom Institut in Grangeneuve verweist zudem auf folgende Faustregel: Je länger die Kälte andauert, desto schlimmer werde der Ernteausfall.
Gemüsebauer Kuno Werro hatte hingegen Glück im Unglück, der Frostalarm hat ihm seine Ernte gerettet: "Die Ernte blieb fast zu 100 Prozent unbeschädigt." Im Mai haben nicht nur Erdbeeren und Spargeln Saison, sondern beispielsweise auch Äpfel, Rhabarber, Lauch oder Nüsslersalat.




