Wie weiter nach dem Ja zur Pflegeinitiative?

Ob es nach der Abstimmung schnell vorwärtsgeht, ist unklar. Einige Punkte der Initiative könnten zügig umgesetzt werden.

Die Pflegeinitiative wurde am Sonntag deutlich angenommen. © Keystone

Die Pflegeinitiative wurde mit 61 Prozent von der Schweizer Bevölkerung angenommen. Deswegen gilt die Abstimmung vom 28. November auch als historisch, denn diese Volksinitiative ist erst die 24. von insgesamt 223, die von der Stimmbevölkerung Zustimmung erhielt.

Was das Resultat der Abstimmung konkret für die Pflegerinnen und Pfleger bedeutet, ist für Andreas Freiburghaus noch nicht klar. Er ist Syndic von Wünnewil-Flamatt und Präsident des Gesundheitsnetzes Sense.

Er ist der Meinung, dass diese Abstimmung die Bevölkerung nun durchgerüttelt habe und es sei durchaus möglich, einige Punkte bereits umzusetzen. "Wenn ich mit Pflegende diskutiere, merke ich vielfach, dass sie sich im Team nicht wohlfühlen oder dass man mit knappen Personalressourcen kämpfen muss. Es hätte viel Luft nach oben im zwischenmenschlichen und auch im organisatorischen Bereich", so Andreas Freiburghaus.

Ihm persönlich sei es auch ein Anliegen mehr Männer für den Beruf als Pflegefachperson zu begeistern. Ausserdem solle die Möglichkeit bestehen, vermehrt Teilzeit zu arbeiten.

Der FDP-Politiker hat selbst ein Nein in die Urne gelegt. Er ist der Meinung, dass eine 36-Stunden-Woche und 10 Prozent mehr Lohn, nicht zielführend sei. Diese Forderung hatte der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) gestellt. Besser sei es den Beruf auf eine andere Weisse attraktiv zu machen.

Der Gegenvorschlag hätte nichts gebracht

Für die Befürworter sei ein Meilenstein erreicht worden. Die Co-Dekanin der Hochschule für Gesundheit Freiburg, Catherine Senn-Dubey, habe auf ein Ja gehofft, zumal die Hochschule bereits im 2018 Massnahmen in der Ausbildung getroffen haben. Beispielsweise wurde ein neues Programm auf die Beine gestellt, welches den Fokus auf die Sicherheit der Patienten und auf die Pflegequalität legt. Somit wurden die auszubildenden Pflegefachpersonen zumindest mental auf eine Veränderung vorbereitet.

Die Kritikerinnen und Kritiker entgegnen nach der Annahmen der Initiative nun, dass die Umsetzung länger dauern wird, als wenn man den Gegenvorschlag des Bundesrates angenommen hätte. Catherine Senn-Dubey ist damit einverstanden, dass die 1 Milliarde Franken um die Ausbildung zu fördern hilfreich gewesen wäre, jedoch hätte dies im Endeffekt nichts gebracht. "Um diese Leute auszubilden, braucht es zusätzliche Dozentinnen und Dozenten.

Ausserdem haben wir heute fast 40 Prozent mehr Studentinnen und Studenten als noch im 2014. Das Problem ist also nicht, dass niemand in die Pflege möchte. Das Problem ist, dass diese Leute nicht im Beruf bleiben", stellt Senn-Dubey klar.

RadioFr. - Tracy Maeder / faeb
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