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Alex Marro am Ende seines schwierigen Weges

Fast anderthalb Jahre sind seit Alex Marros schwerem Unfall vergangen. Viel früher als erwartet, konnte er auf die Piste zurückkehren.

Alex Marro bei einem der letzten Krafttrainings der Saison. © RadioFr.
Alex Marro bei einem der letzten Krafttrainings der Saison. © RadioFr.
Alex Marro bei einem der letzten Krafttrainings der Saison. © RadioFr.
Alex Marro bei einem der letzten Krafttrainings der Saison. © RadioFr.
Alex Marro bei einem der letzten Krafttrainings der Saison. © RadioFr.
Alex Marro bei einem der letzten Krafttrainings der Saison. © RadioFr.
Alex Marro bei einem der letzten Krafttrainings der Saison. © RadioFr.
Alex Marro bei einem der letzten Krafttrainings der Saison. © RadioFr.
Alex Marro bei einem der letzten Krafttrainings der Saison. © RadioFr.
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"Ich bin meinem Körper sehr sehr dankbar," sagt Alex Marro und deutet zufrieden auf sein linkes Knie. Im Athletic Fitness in Bern absolviert der Sensler die letzten Krafttrainingseinheiten der Saison. "In der Endphase der Saison geht es darum die Schnelligkeit zu behalten." Die Krafttrainings sind darum nicht mehr so intensiv, wie noch zu Beginn der Saison. Regeneration ist wichtig. Das Athletic Fitness verfügt über einen Rooftop-Bereich, der für Alex Marro ideal ist. Auf einer kurzen Rennbahn legt er sich kleine Hürden zurecht. "Um diese Jahreszeit fühlt es sich einfach herrlich an, hier auf dem Rooftop zu trainieren. Klar im Sommer bei 35 Grad ist es dann etwas anderes," schmunzelt Marro. Der Ausblick reicht über die Stadt Bern bis hin zu den schneebedeckten Bergen im Berner Oberland.

Schwieriger Weg zurück

Das Alex Marro auf eine komplette Skicross Saison zurückblicken kann, ist für den 27-Jährigen alles andere als selbstverständlich. Am 21. November 2021 verletzt sich Marro beim Europacup Rennen in Pitztal schwer. Ein Kontrahent drängte ihn damals von der Strecke ab. Marro prallte auf den Kopf und überschlug sich mehrmals (siehe Video unten). Das schlimmste aber waren seine Verletzungen am linken Bein. Kreuzband, Innenband, Aussenband und der Meniskus, alles war kaputt. Er müsse damit rechnen, zwei Jahre keine Rennen zu fahren, falls er überhaupt zurück in den Rennzirkus kehren könne, sagten ihm die Ärzte damals. 

Doch dazu kam es glücklicherweise nicht. Nur zehn Monate später, zog Alex Marro wieder Schwünge in den Neuschnee. "Für die Reha war ich in Magglingen. Dort genoss ich natürlich grosse Unterstützung und spezielle Programme, die genau auf mein Knie abgestimmt waren. Das hatte einen grossen Einfluss, dass ich die schlimme Verletzung in so kurzer Zeit überwinden konnte." Ein Spaziergang war es natürlich nicht. "Am Anfang schlug ich mich nebst den Schmerzen auch mit der Motivation herum."

Man kann es nicht schönreden, nach der Operation hatte ich einfach nur den Anschiss.

In zahlreichen Gesprächen, vor allem mit den Eltern, fand Marro die Motivation aber wieder. Danach ging es in kleinen Schritten voran. Kleine Schritte, die für den Sensler aber zu grossen Highlights verkamen. "Ich erinnere mich noch gut, das erste Mal alleine Treppen zu laufen - absolut genial. Die erste ganze Umdrehung auf dem Spinnig Velo - einfach geil. Die ersten Schritte ohne Krücken - ein unbeschreibliches Gefühl," schwärmt Marro. 

Da wusste ich, es wird ein guter Tag

In dieser Phase des Krafttrainings muss Alex Marro die Grenzen nicht mehr komplett ausloten. "Klar komme ich auch ins Schwitzen, aber es ist kein Vergleich zur Saisonvorbereitung," erklärt Marro. "Ich sehe die Krafttrainings immer in drei Phasen. Als erstes macht man die Muskeln gross. Dann macht man die Muskeln stark und zum Schluss müssen die Muskeln schnell werden. Jetzt geht es darum die Schnelligkeit zu behalten." Dafür stemmt der Skicrosser einige Gewichte, geht danach rasch zu den zuvor ausgelegten Hürden und macht einige Sprints.

An seinem Come-Back arbeitete Alex Marro Schritt für Schritt. Am 20. August stand er, viel früher als erwartet, zum ersten Mal wieder auf den Skiern. Er kann sich noch ganz genau an diesen Moment erinnern:

Die Leute, mit denen Alex Marro in Magglingen zusammenarbeitete, versicherten ihm, das Knie wird halten. "Trotzdem war ich vorsichtig, denn Krafttraining und Skifahren sind zwei unterschiedliche Dinge. Deshalb war ich am Anfang vielleicht etwas zu vorsichtig." Bald fühlte sich Alex Marro bereit für das erste Rennen der Saison, zwar noch mit etwas Trainingsrückstand aber trotzdem: "Es hätte auch gut sein können, dass es gar nicht funktioniert". 

Rückkehr an den Ort des Unfalls

Wie es der Zufall wollte, fand der Startschuss in die Saison wieder in Pitztal statt, und dies am 21. November, also auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Unfall. Alex Marro konnte auf  diese Weise den Ort wieder mit positiven Erinnerungen verbinden. Die folgende Saison, war für Alex Marro mit Up's und Down's verbunden. Durch viele Verletzungen im Nationalkader durfte Alex Marro oft im Weltcup starten. Allerdings blieb der Sensler jeweils in der Qualifikation hängen. Die Frage, ob er trotzdem zufrieden sei mit dem gezeigten, beantwortet Marro mit seinem gewohnten Galgenhumor. "Ja es war eine harzige Sache. Aber ich konnte viel lernen. Zum Teil sah es auch richtig gut aus bezüglich der Qualifikation aber dann baute ich irgendwo noch einen Mist," ärgert sich Alex Marro rückblickend. Der Weltcup verzeiht praktisch keine Fehler. Die besten 32 Fahrer dürfen am Rennen starten, mit einer Sekunde und zwei Zehnteln Rückstand klassierte man sich nicht selten auf Rang 33. 

Im Krafttraining in Bern notiert Alex Marro seine Übungen jeweils in sein blaues Notizbüchlein. "Von meinen Kolleginnen und Kollegen bin ich fast der einzige, der das auf diese altmodische Art und Weise macht. Die anderen benutzen dafür Apps und kommen mit Tablet und Handys ins Training." Alex Marro der Nostalgiker? Marro winkt ab: "Nein, natürlich bin ich auch Technikaffin und auch auf den sozialen Medien vertreten. Aber beim Training muss ich das Handy nicht dabeihaben. Höchstens mal für ein Foto, aber ich bin nicht einer, der zwischen den Übungen hinter das Gerät sitzen muss."

Jubeln ist nicht immer einfach

Nach verständlicherweise harzigem Saisonstart lief es Alex Marro nach Weihnachten immer besser. Im März holte sich der 27-Jährige in San Pellegrino gar den Sieg in einem Europa Cup Rennen. 

Ich war komplett am Anschlag, hatte fast gar keine Kraft zum Jubeln.

Die Strecke in San Pellegrino liegt auf mehr als 2'000 Meter über Meer. Dadurch steigt die Belastung bei sechs bis sieben Läufen für die Athleten noch zusätzlich. "Aber das macht es umso schöner. Es war mein erster Sieg überhaupt, " so Alex Marro zur emotionalen Erfahrung. Und auch die Erkenntnis, dass sein Knie trotz Stürzen die ganze Saison über gehalten hatte, macht den Sensler glücklich. 

Nach gut anderthalb Stunden beendet Alex Marro seine Trainingseinheit, notiert die letzten Übungen in sein Notizbüchlein. "Ich bin froh, kann ich mir jetzt ein paar Tage Ruhe gönnen. Seit mehr als einem Jahr bin ich jetzt praktisch nur am Trainieren mit der Reha. Vielleicht gehe ich etwas an die Wärme." 

RadioFr. - Ivan Zgraggen
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