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Die Suche nach der Essenz

Seit letztem Herbst hat Alexis Rüeger als FELS drei facettenreiche EPs veröffentlicht. Ein Blick in den kreativen Prozess.

Alexis Rüeger vertont als FELS seine Suche nach einer gewissen sonischen Eigenart. © zvg

Für zahlreiche Musiker*innen steht die Suche nach einer gewissen Eigenart des eigenen Sounds im Zentrum. Das akribische Destillieren, bis eine gewisse Klangessenz gefördert wird, die dem persönlichen Anspruch am sonischen Ausdruck entspricht. In diesem Prozess befindet sich auch der Freiburger Musiker Alexis Rüeger. In den letzten Jahren vor allem als Mitdenker des Freiburger Labels Strecke und als eine Hälfte des elektronischen Gebrüder-Projekts E&A Rüeger beschäftigt, hat Alexis Rüeger auch an eigenen Tracks herumgeschustert.

Seit vergangenem Oktober hat er unter dem Pseudonym FELS drei EPs veröffentlicht, die von obgenannter Suche zeugen. Die erste EP FELS001 beinhaltet drei breakige Tracks UK-garagiger Manier, mit viel Gezappe, ordentlich Knalleffekt und teils sphärischer Umnebelung, wie etwa auf „First Take“. „Während der Entstehung der Tracks habe ich mir immer vorgestellt, wie diese Musik im Clubkontext funktioniert und wie die Leute darauf reagieren“ so Rüeger.

Nur wie sollten diese Tracks klingen? Ekstatische Rave-Hymnen, kathartische Gabber-Salven oder dronig-experimentelle Tauchgänge mit Koryphäendistanz? „Ich hatte vor allem genug vom 4-to-the-floor Muster. Techno, Mental Techno etc. mit festen Strukturen können zwar auch schöne Momente generieren, die Trancezuständen ähneln, aber ich wollte gezielt Kontraste und Brüche, minimale Passagen, Drops, Hebemomente, emotionalen Pads mit vielen Höhen etc., was auf die Leute im Club euphorisierend wirken kann“, erläutert Rüeger. Strukturen, die beispielsweise auf Tracks wie „Still Alive“ und „Oh My“ von FELS001 erkennbar sind. Rüeger will sich aber nicht auf ein Rezept beschränken.

Auf der zweiten EP Charged verlässt FELS den Clubkontext und taucht in die Introspektion. Der grossartige Titeltrack entführt in eine dunkle Klangwelt mit massiven topografischen Verwerfungen, unheilvollen Melodieschwüngen, umherjagenden Beats und gleissenden Flares. Interessant dann auch „Awkward Ashes“, wo Rüeger gekonnt schwelende Rhythmen und schwelgende Synthiebögen amalgamiert, oder der fast somnambul-mystische Trip auf „An End“. Tolle Sache!

„Ich hatte das Bedürfnis, mehr Emotionen in die Clubmusik einzuflechten. Das fehlte mir oftmals im Club, wo die Sets tendenziell immer härter und schneller werden. Die beiden EPs widerspiegeln meine unterschiedlichen emotionalen Zustände“ erklärt Rüeger. Diese Haltung bedeutet für das Projekt FELS auch eine gewisse Offenheit für Versuche. Die dritte EP, die Rüeger in den letzten Monaten veröffentlicht hat, beinhaltet Remix-Versionen seines Tracks „Charged“.

Chewlie aus Bern hat aus Rüegers Material einen ziemlich breakigen Track gezimmert und Weith aus Genf mästet „Charged“ zu einem basslastigen, dubbig-wolkigen Soundbraten. Beide Remixes entfernen sich vom Originaltrack, was laut Rüeger bei einigen Künstler*innen nicht immer gern gesehen ist, für ihn aber eine spannende andere Perspektive auf seine Musik eröffnet. „Ich finde enorm interessant, was die beiden aus dem Material gemacht haben. Für mich ist der Sinn von Remixes, dass etwas komplett Neues entstehen kann“.

Rüeger ist ein von ansteckender Faszination beflügelter Suchender, in dessen kreativem Prozess eine Idee die andere zu jagen scheint. Für Rüeger ist es das Ziel, die stetige Entwicklung zu zeigen und vor allem nach besagter Essenz in der eigenen Musik zu suchen. „Wenn mir meine Freunde sagen, dass sie mich in meiner Musik wiedererkennen und fühlen, weiss ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“

RadioFr. - Valentin Brügger
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