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Die Komponente "Gefühl"

JPTR hat sich nach artistischem Heisslaufen refokussiert. Die neue EP “Not the Same” stellt die kreative und emotionale Essenz ins Zentrum.

Mit "Not the Same" erweitern JPTR ihren Sound um die Komponente Gefühl. © Brigitte Fässler

Das umfangreiche Konzept rund um JPTR wurde irgendwann zu viel. Auf die Lancierung des Projekts im Jahr 2016 folgten arbeitsintensive Monate, in denen das auf mehrere Personen gewachsene Musik-Kollektiv an Form und Wirkung der artistischen Idee schliff. Mit der Realisierung aufwändiger Videoclips, die jeweils zu Vollmond erschienen, der Schaffung eines bestimmten Images oder sogar auch durch den Miteinbezug von Fashion-Design gewann JPTR kontinuierlich an Tempo, bis das musizierende Duo Andrina Bollinger und Ramón Oliveras unter die Räder der selbsterschaffenen Maschine geriet.

Was folgte, war quasi ein Band-Burnout, wie Ramón Oliveras meint. JPTR fiel den hohen eigenen Ansprüchen und der intensiven Produktion zum Opfer. Die den Songtexten innewohnende Kapitalismus- und Konsumkritik stand somit auch quer zur eigenen Arbeitsweise. "Wir haben beide gemerkt, dass wir uns von dieser hyperkonzeptuellen und verkopften Idee distanzieren müssen", wie Andrina Bollinger erklärt.

Durch die Rückbesinnung auf das energetische Potenzial, das in ihrem dynamischen Spiel zwischen Perkussion und Stimme steckt, entstand die neue EP Not the Same, wobei der Titel sowohl auf die eigene Entwicklung, wie auch auf den für das Duo wichtigen Diskurs soziopolitischer Themen verweist. "Tomorrow we’re not the same, nothing stays in place, why should we,” wie es die Lyrics des Titelstücks ausdrücken.

Bereichernde Metamorphose

Der Reflexionsprozess ist geglückt und JPTR stellt die Essenz des gemeinsamen Sounds in den Vordergrund: Die auffallend präsente und ausdrucksstarke Stimmperformance von Andrina Bollinger und das versierte Spiel mit geraden und überlagerten Rhythmen von Ramón Oliveras. Auch das Hinterfragen und Kommentieren ist weiterhin Teil der DNA des Duos, wenn sie etwa mit "As Long As You Believe It" den interessengebundenen Wahrheitsanspruch in Gesellschaft und Politik kritisieren oder mit "Noise" unsere hybride Existenz zwischen realem und virtuellem Raum beleuchten.

Anders als auf früheren Veröffentlichungen lassen JPTR auf der neuen EP aber auch mehr Nähe zu, wodurch die Musik auch spürbar "menschlicher und persönlicher" wird. Eine Entwicklung, die einerseits die Bandbiografie paraphrasiert, andererseits aber auch über die vier Tracks der EP zunehmend hör- und fühlbar wird. Mit dem viszeralen Track "Gentleness" gelangt diese Metamorphose von JPTR zur Vollendung, wonach Andrina Bollinger und Ramón Oliveras Empathie sowie Passion am kreativen Ausdruck als Waffen für den Wandel wählen, anstatt kühles Konzept und freistehendes Statement.

RadioFr. - Valentin Brügger
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