"Die Gleichstellung muss noch schneller vorwärts gehen"
Die Freiburger Gemeinderätin Mirjam Ballmer (Grüne) spricht an diesem internationalen Frauentag über Komplimente, Chefetagen und Hoffnungen.

2019 hat sie auf dem Platz Georges Python in der Stadt Freiburg beim Frauenstreik zu mehr Frauen in der Politik aufgerufen. Seit diesem Sommer ist sie die einzige Frau im fünfköpfigen Gemeinderat der Stadt: die Grüne-Politikerin Mirjam Ballmer. Ein Gespräch zum heutigen internationalen Frauentag.
"Netter Sexismus" und Komplimente
Zu Beginn ihrer Karriere im Basler Grossrat und auch später im Freiburger Grossrat hat Mirjam Ballmer mehrmals, wie sie es nennt, "netten Sexismus" erlebt:
In den Kommissionen meinte man, ich sei die Sekretärin. Mir wurden Komplimente zum Aussehen gemacht: in diesem Kontext nicht ok.
Viel lieber hätte sie kompetent über die politischen Sachlagen diskutiert. Als Mirjam Ballmer dies in einer Kolumne einmal beschrieb, reagierten ihre männlichen Kollegen eingeschnappt: "Dann machen wir dir halt keine Komplimente mehr." Dies sei genau ihr Ziel gewesen. Sie wolle nicht auf ihr Aussehen reduziert werden. Komplimente zu ihren Kompetenzen seien hingegen immer willkommen.
Chefetagen brauchen Diversität und Quotenregeln
In Verwaltungsräten und Chefetagen seien bis heute zu wenig Frauen vertreten. Dies nennt Mirjam Ballmer als nächstes Problem der Gleichstellung von Mann und Frau:
Ich war lange gegen eine Quotenregelung. Heute denke ich: Bis die Diversifizierung der Chefetage nicht erreicht ist, braucht es leider eine Regel.
Es könne ausserdem nicht sein, dass sie als Mutter mit zwei jungen Kindern ständig auf ihre Arbeitssituation angesprochen werde. Gleichzeitig aber ihr Ratskollege, der auch junge Kinder hat, diese Frage nie beantworten muss. Klar sei das Gemeinderatsamt anspruchsvoll, doch es sei es für alle. Egal, ob Mann oder Frau.
Hoffnung und Ziele
Seit die Grüne-Politikerin mit 25 Jahren in die Basler Politik einstieg, gab es allerdings auch einige Verbesserungen. "Die Lohngleichheit wird oft auf politischer Ebene diskutiert, das ist erfreulich." Trotzdem würden die Zahlen zeigen, dass noch ein Weg zu gehen sei. Der öffentliche Sektor müsse hier gegenüber dem privaten Sektor als Vorbild dienen.
Auf politischer Ebene hat die Gemeinderätin im Ressort Schule und Erwachsenenbeistand klare Ziele:
Bis 2040 sollen in der Stadt Freiburg 50-70 Prozent der Kinder in der ausserschulischen Betreuung einen Platz finden.
Dies würde den Müttern gleichzeitig die Karrierechancen erhöhen und das Arbeitsleben erleichtern.
Für ihre beiden Töchter wünscht sich Mirjam Ballmer Chancengleichheit in der Schule und in der Karriere. Sie fügt ausserdem an: "Ich wünsche meinen Töchtern und allen Frauen viel Selbstvertrauen, und dass sie dies auch ihr Leben lang behalten können."




