"Ich war damals total verwirrt"

Für Matthias Rossi dürfte die Partie heute Abend sehr speziell werden. Verteidiger Raphael Diaz erinnert sich an seinen Trade in der NHL.

Vor kurzem noch Teamkollegen - heute Gegner. Matthias Rossi beim Jubel mit Freiburg-Gottéron © KEYSTONE

Obwohl Freiburg Gottéron nur einen Punkt aus zwei Spielen am letzten Wochenende sammelte, stehen die Freiburger gegen das 12.-platzierte Langnau in der Favoritenrolle. Einer, der am Wochenende zwangshalber zuschauen musste, war Raphael Diaz. „Klar hätte ich gerne geholfen, aber es war sicher die schlauere Entscheidung wegen der muskulären Probleme Vorsicht walten zu lassen“, fasste der routinierte Verteidiger die Situation nach dem Abschlusstraining zusammen.

Er habe den Entscheid nicht zu spielen gemeinsam mit dem Staff gefällt: „Eine solche Entscheidung triffst du nie alleine, aber es ist immer am wichtigsten, dass sich der Spieler gut fühlt“. Nun können die Freiburger mit Raphael Diaz aber wieder auf einen ihrer Abwehr-Patrons zählen.

„Matthias hat genug Postur, um meinen Checks entgegenzuhalten“

Bei den SCL Tigers spielt einer, der bis vor kurzem noch für die Freiburger auflief. Matthias Rossi wechselte am letzten Wochenende - etwas früher als erwartet - ins Emmental. Raphael Diaz kann sich gut in die Lage seines ehemaligen Mannschaftskollegen hineinversetzen: „Ich weiss noch, als ich in der NHL von Montreal nach Vancouver getradet wurde. Nur kurze Zeit später spielten wir dann gegen Montreal und ich war sehr verwirrt, als mir plötzlich viele gute Kollegen als Gegner auf dem Eis gegenüberstanden.“ Und Raphael Diaz fügt an: „Natürlich freue ich mich sehr für Matthias, konnte er nun das Beste für sich machen und ich hoffe, dass er in Langnau eine faire Chance erhält.“

Dass Rossi genau gegen seinen Ex-Club zum Debüt im Langnauer Dress kommt, gilt als sehr wahrscheinlich. Laut Christian Dubé hätte Gottéron die Möglichkeit zu sagen, dass Matthias Rossi gegen seinen Ex-Club nicht spielen darf. Für den Trainer und Sportchef Christian Dubé ist dies allerdings kein Thema. Laut Dubé wollte Rossi verständlicherweise mehr Spielpraxis, was in Freiburg nicht möglich war. Deshalb sei es für ihn auch kein Problem, dass Rossi nun in Langnau spiele und auch gegen seinen Ex-Club antrete.

Auch Christoph Bertschy freut sich für seinen Ex Teamkollegen, dennoch auf dem Eis sein man jetzt Gegner, so der Düdinger. Während des Spiels sei die Rivalität da, danach bleibe man aber gute Freunde. Christoph Bertschy ist dafür bekannt, auch mal einen kernigen Check zu verteilen. Und wenn es dann mal Matthias Rossi erwischt? „Ich glaube Matthias hat genug Postur, um meinen Checks entgegenzuhalten, da habe ich gar keine Angst um ihn“, lacht Christoph Bertschy.

Sandro Schmid provisorisch gesperrt

Um in Langnau nicht wieder - wie beim letzten Mal - nach zehn Minuten 0:3 im Rückstand zu liegen, brauche es eine geschlossene Mannschaftsleistung. Auch Christoph Bertschy unterschreibt, dass sich Gottéron in der Favoritenrolle befindet. Man besitze sicher den tieferen Kader und verfüge wahrscheinlich auch über mehr Qualität bei den Einzelspielern. Allerdings müsse das noch nichts heissen.

Freiburg Gottéron verlor in der bisherigen Saison zweimal gegen Langnau, einmal mit 1:2 nach Verlängerung und anfangs Dezember auswärts 3:4. Verzichten muss Christian Dubé in Langnau auf Sandro Schmid. Der Murtner wurde von der Liga vorsorglich für ein Spiel gesperrt. Gleichzeitig eröffnete die Liga gegen ihn ein ordentliches Verfahren. Grund dafür ist ein mutmassliches Vergehen an einem Schiedsrichter im Spiel gegen den EHC Biel vom 17. Januar, schreibt Swiss Ice Hockey Disciplinary in einem Communiqué.

Torhütertrainer David Aebischer rechnet auf Anfrage von RadioFr. mit einer Sperre von drei Spielen. Das Urteil erwartet Gottéron in den nächsten Tagen. Sicher ist aber, dass Sandro Schmid gegen die SCL Tigers fehlen wird. Andrej Bykov dürfte so um die Rolle als 13. Stürmer herumkommen. Noch unklar ist, ob Christian Dubé einen Nachwuchsspieler dafür aufbietet. Aufgrund der Rückkehr von Raphael Diaz muss Juuso Vainio wohl wieder als überzähliger Ausländer auf der Tribüne Platz nehmen.  

Skurrile Szene drei Minuten vor Schluss

Wer übrigens den letzten Match gegen Zug verfolgt hat, wurde in den letzten Minuten Zeuge einer nicht alltäglichen Szene. Mauro Jörg erhielt zweieinhalb Minuten vor Schluss eine fünf Minuten- plus Spieldauerdisziplinarstrafe für Bandencheck. Gleichzeitig musste auf Zuger Seite Samuel Kreis wegen eines Crosschecks für zwei Minuten auf die Strafbank.

Statt wie in so einem Fall üblich für zwei Minuten 4 gegen 4 weiterzuspielen, sah sich Gottéron mit einer drei Minuten Unterzahl konfrontiert. Grund dafür ist Regel 19.4, die in solchen Fällen greift. In dieser heisst es:

„Wenn in den letzten fünf Minuten in der regulären Spielzeit oder in der Verlängerung einem Spieler von Mannschaft A eine kleine Strafe und einem Spieler von Mannschaft B in derselben Spielunterbrechung eine grosse Strafe zugesprochen wird, wird die Differenz von drei Minuten sofort als grosse Strafe ausgesprochen.“

Folgerichtig spielte Zug also mit einem Mann mehr und nutzte die Überzahl zum Ausgleich aus.

RadioFr. - Ivan Zgraggen
...