Hahn auf und Wasser läuft: 100 Jahre Trinkwasser in Wünnewil
Am Wochenende feierte die Wasserversorgungsgenossenschaft Wünnewil und Umgebung ihr 100-jähriges Bestehen. Viele Besuchende haben mitgefeiert.

Herrliches Spätsommerwetter lockte am Samstag, 2. September 2023, rund 120 Interessierte zu den Feierlichkeiten der Wasserversorgungsgenossenschaft Wünnewil und Umgebung (WVW).


Gut besetzte Shuttle-Busse transportierten die Besuchenden auf Rundfahrten gemütlich vom Chessibrunnholz zum Quellgebiet Tuntela und zum Reservoir Dietisberg.
Die Führung dauerte etwas weniger als zwei Stunden und startete in der idyllischen Tuntela, dem Quellgebiet vom Trinkwasser in Wünnewil.

Vor rund 100 Jahren wurden hier, auf dem Gemeindegebiet von Heitenried, Wasser gesucht und Quellen gefasst. Von Hand wurden Leitungen nach Wünnewil gebaut sowie 1922 das Reservoir Dietisberg errichtet.


Erwin Perler, Präsident der WVW, staunt:
Die Leitungen mussten von Hand und ohne Strom um Hügel und unter dem Ledeu-Bach durch gebaut werden. Und es sind nur vier Meter Höhendifferenz zwischen Quelle und Reservoir!
Diese vier Meter sind jedoch genug, um ohne Pumpe auszukommen. "Das läuft ohne Strom. Grundwasser hingegen muss gepumpt, Seewasser aufbereitet werden. Hier läuft das Wasser selbst von der Tuntela ins Reservoir. Wir brauchen Strom lediglich für die UV-Entkeimungsanlage und für die Trübungsmessung - und wenn wir Wasser von Ueberstorf beziehen."
Wasserwart Christian Wanger und seine Kollegen haben den interessierten Besuchenden die Anlagen und ihre Wirkungsweisen erklärt. Der langjährige Präsident der WVW, Josef Schmutz, war ebenfalls vor Ort, um sich vom Gelingen der Jubiläumsaktivitäten zu überzeugen und Fragen der Besuchenden zu beantworten. Er hatte im Vorfeld der Festlichkeiten die Geschehnisse der letzten 100 Jahre in einer Broschüre zusammengefasst, die zur Ansicht auflag.

Bei den Führungen erfuhren die Teilnehmenden einiges über die Geschichte der Wünnewiler Wasserversorgung: Woher das Wasser kommt, und was es alles braucht, damit es dann sauber aus dem Wasserhahn kommt. Präsident Perler stellt klar:
Heute sind die Vorschriften an die Qualität vom Wasser streng. Aber auch wenn alle Anforderungen erfüllt sind, gibt es nie die absolute Sicherheit.
Im August 2021 gab es zuletzt eine Verunreinigung des Trinkwassers. Wasserbezügerinnen und Wasserbezüger waren angehalten, das Wasser vor Gebrauch abzukochen. Nach einer Spülung des Leitungsnetzes und einer Notchlorung konnten die Massnahmen nach fünf Tagen aufgehoben werden. Grund dieser Verunreinigung waren die sehr hohen Quellschüttungen, die zu einer Überlastung der UV-Anlage führten.

In der Folge wurde eine Durchflussmengensteuerung und eine Trübungsmessung installiert. "Sobald zu viel Wasser kommt, geht dieses automatisch in den Verwurf - also in den Bach. Dasselbe passiert, wenn bei der Trübungsmessung ein winziges Sandkorn entdeckt wird, in dem sich potenziell Keime verstecken können", erklärt Wasserwart Wanger. Dies passiere vor allem bei Reinigungsarbeiten.
Das muss man jedoch etwas relativieren: Dieses "Schmutzwasser" ist im Ausland immer noch 1A-Trinkwasser.
Die WVW unterhält für die Trinkwasserversorgung für rund 720 Haushalte von Wünnewil, Elswil und Eggelried ein Hauptleitungsnetz von rund 23 Kilometern und zwei Reservoirs.

Die Wasserversorgung Wünnewil ist vergleichsweise klein. Neben Grossbezügern wie Primatessa, Käserei Dietisberg und Landwirtschaftsbetrieben werden vor allem Privathaushalte versorgt. "Früher gab es noch mehr Käsereien, Wünnewil und Bagewil, die viel Wasser brauchten. Und wir haben keine Bezüger wie Spitäler oder Altersheime", erklärt Präsident Perler.
In Wünnewil und Umgebung werden insgesamt 237’000 Kubikmeter Trinkwasser im Jahr verbraucht. Im Durchschnitt sind das 645 Kubikmeter pro Tag, wobei der Tagesbedarf sehr stark schwankt. Rund 80 Prozent vom Wasser kommt aus dem Quellgebiet der Tuntela. Der restliche Teil wird vom Reservoir Silberrad in Ueberstorf bezogen.
Das Trinkwasser in Wünnewil-Flamatt
In Wünnewil-Flamatt gibt es zwei Wasserversorgungsgenossenschaften (Flamatt und Wünnewil & Umgebung) und eine Verteilgenossenschaft (Elswil). Gemäss Trinkwasserreglement der Gemeinde ist die Versorgung mit Wasser in Konzessionsverträgen geregelt. Die Genossenschaften sind eigenständig und finanziell unabhängig. Sie arbeiten im Auftrag der Gemeinde. Sie versorgen die Abonnenten innerhalb ihres Gebietes über das bestehende Leitungsnetz mit Trinkwasser.
Die Quellen der WV-Wünnewil in der Tuntela sowie die Quellen Zeughaus, Henzenmoos, Lehmann und Widstock der WV Flamatt sind durch Schutzzonen geschützt.
Die Trinkwasserqualität wird regelmässig durch das Kantonale Labor in Freiburg kontrolliert. Alle Trinkwasserproben erfüllten die physikalisch-chemischen und mikrobiologischen Voraussetzungen der Lebensmittelgesetzgebung. Das Trinkwasser ist als ziemlich hart einzustufen.




