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"Ein Palliativpflegezentrum ist keine Sterbeklinik"

Wer sich in die Palliativpflege begibt, leidet an einer todbringenden Krankheit. Doch dies ist kein Grund zur Bedrückung - im Gegenteil.

Die Vorstellung von Palliativpflege als bedrückende Angelegenheit ist gerade stark im Wandel.(Symbolbild) © KEYSTONE

Die Palliativ-Abteilung der Freiburger Spitäler wird diesen Monat 20 Jahre alt. Boris Cantin, medizinischer Leiter des Zentrums für Palliativpflege, das heute in der Villa Saint-François in Villars-sur-Glân angesiedelt ist, will mit alten Ideen aufräumen. In den Köpfen vieler Leute seien Palliativpflegezentren nichts anderes als Sterbekliniken. "Ja, früher kamen die Leute zum Sterben in diese Zentren. Aber heute ist das nicht mehr wirklich der Fall. Mit der Modernisierung gibt es immer mehr die Möglichkeit, dass unsere Patienten nach Hause zurückgehen können. Im Durchschnitt ist das bei jedem zweiten der Fall."

Zu den Neuerungen gehören laut dem medizinischen Leiter eine neue Krankenhausabteilung, eine Ambulanzstation, neue Medikamente zur Linderung von Symptomen und verschiedene Ansätze aus der Komplementärmedizin. "Wir versuchen, den Aufenthalt für die Patienten und deren Familien so angenehm wie möglich zu machen, denn wer zu uns kommt will grundsätzlich am Leben bleiben und sich daran erfreuen. Eine Konfrontation mit dem Tod kann grosse Ängste auslösen, aber auch einen ebenso grossen Lebenshunger, bei dem sich die Betroffenen auf das Wichtigste konzentrieren", erklärt der Spezialist.

Die Villa Saint-François bietet ebenfalls eine Tagesbetreuung an. Alle Patienten, die an einer chronischen, fortschreitenden Krankheit leiden, sind laut Boris Cantin willkommen. "Einige kommen nur wenige Stunde und gehen dann wieder nach Hause. Hier können sie Zeit mit Freiwilligenhelfern verbringen und von komplementärmedizinischen Behandlungen profitieren."

Ein Berufsbild im Umbruch

Die Vorstellung davon, was Palliativpflege eigentlich ist, befindet sich im Umbruch. "Ziemlich viele unserer Betreuten kommen zu uns, weil es sich bei unserer Palliativbegleitung um eine Alternative zur klassischen Schulmedizin handelt", erklärt Boris Cantin. Früher wurde Palliativpflege schwerkranken Patienten angeboten, heute verlangten diese selbstständig nach diesen Leistungen. "Wir bieten ihnen viele verschiedene Heilmethoden an, beispielsweise Massagen, Lymphdrainage, Kunsttherapie oder auch Hypnose.

Videoclips, in welchen sich das Palliativzentrum der Villa Saint-François vorstellt, tragen ebenfalls dazu bei, die mystische und manchmal bedrückende Aura der Palliativpflege zu brechen. Diese Videos ermöglichen es, virtuell das Pflegezentrum zu besichtigen sowie die Aussagen des Pflegepersonals zu hören.

RadioFr. - Karin Baumgartner / Luca Poli / Übersetzung: Cyrill Schelker
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