Sommertrends: Vintage-Mode aus der Lausannegasse

Vintage und "Second Hand" sind in Mode. In Freiburg besuchen wir einen neuen Secondhand-Laden, in dem man diesen Sommer trendige Looks kreieren kann.

Im dritten Artikel unserer Reihe "Sommertrends" wirft Frapp einen Blick auf eine Bewegung, die in letzter Zeit immer mehr Aufmerksamkeit und Freunde gefunden hat: "Secondhand" - oder sich einen Look aus Kleidern, die schon einmal jemandem gehört haben, zusammenstellen. Wir treffen Camille Grandjean, die gerade "La Baraque à Fripes" in der Lausannegasse in Freiburg eröffnet hat.

Kannst du dich vorstellen?

Mein Name ist Camille Grandjean, ich bin 28 Jahre alt und wohne in Bulle. Ich habe Tourismus studiert und dann in der Hotellerie gearbeitet, vor allem im Ausland. Nebenbei habe ich schon immer genäht und ich mache Ohrringe. Ich mag es sehr, etwas mit meinen Händen herzustellen.

Warum hast du dich dazu entschlossen, einen Secondhand-Laden aufzumachen?

Ich habe mich endlich getraut, nachdem ich 10 Jahre lang die Idee im Kopf hatte. Ich habe Secondhand-Läden zum ersten Mal auf einem Sprachkurs in England entdeckt, in Brighton, in der Nähe von London. So kam die Idee auf, aber sie war damals noch nicht realisierbar. Jetzt habe ich mich entschlossen, es zu wagen, und es ist geschafft!

Wer steckt hinter der "Baraque à Fripes"?

Mein Freund Axel arbeitet ebenfalls an dem Projekt mit, jedoch hat er noch eine andere Anstellung. Hinter dem Konzept unseres Ladens stehen daher wir beide.

Kannst du uns dieses Konzept ein wenig erklären?

Wir haben vor, in erster Linie mit Kleiderspenden zu arbeiten. Die Menschen können uns Säcke mit Kleidung bringen, die sie nicht mehr tragen wollen. Wir werden diese Spenden sortieren und die Stücke auswählen, die wir behalten wollen. Wir erlauben uns dabei, eine Auswahl der Stücke für unseren Laden zu treffen. Die Kleider, die für den Secondhand-Laden ausgewählt werden, werden dann gewogen und die "Spender" werden pro Kilo bezahlt: 1 kg dieser Kleider entspricht einem Gutschein im Wert von sieben Franken, der im Secondhand-Laden eingelöst werden kann.

Ist dieses spezifische Secondhand-Konzept etwas ganz Neues?

Die Idee, Kleidung anderer Leute zu sammeln und im Gegenzug einen Gutschein anzubieten, habe ich während meines Aufenthaltes in Montreal entdeckt. Es gibt dort einige Secondhand-Läden, die so arbeiten und mir hat das gefallen. Hier gibt es das nicht wirklich.

Was macht die "Baraque à Fripes" so besonders?

Die Grundidee ist es, im Vintage-Stil zu bleiben und Kleidung anzubieten, die diesem Stil entspricht. Ich bin nicht wirklich dafür, Kleidung vom Massenmarkt zu verkaufen. Ich bin mir auch bewusst, dass es eine Menge Kleiderverschwendung gibt, deshalb sage ich zu bestimmten Stücken nicht nein. Aber es muss auf jeden Fall dem Vintage-Konzept entsprechen.

Wie habt ihr denn angefangen?

Anfangs hatten wir keine andere Wahl, als einen Grosshändler zu beauftragen, weil wir den ganzen Laden ein erstes Mal füllen mussten. Wir haben Verkäufer gefunden, bei denen Kleider kiloweise erhältlich sind: Die Kleidung kommt in grossen Ballen von 25 oder 45 kg an. Wir können uns die Stücke nicht aussuchen, also ist es jedes Mal eine kleine Überraschung. Kürzlich haben wir zum Beispiel ein 45 kg schweres Paket mit Damenblusen bestellt. Und es war eine schöne Überraschung am Tag des Empfangs, wir waren sehr zufrieden!

Könnt ihr wirklich alles verkaufen? Oder bleibt ihr manchmal auf gewissen Stücken sitzen?

In den erhaltenen Ballen befanden sich manchmal einige Kleidungsstücke mit Löchern oder Flecken. Es gab zum Beispiel Hemden, an denen Knöpfe fehlten. Ich habe zuerst versucht, so viele wie möglich zu flicken, aber einige Kleidungsstücke waren wirklich nicht mehr zu retten. Jetzt wollen wir Designer in der Region finden, die diese Stoffe für andere Dinge verwenden können, beispielsweise für Accessoires oder andere Kleidung. Wir möchten die Kleidung, welche wir nicht verwenden können, weitergeben um so wenig Stoff wie möglich wegzuwerfen. Was wiederverwendbar ist, wollen wir wiederverwenden.

An welches Klientel wendet ihr euch?

Mit unserem Secondhand-Laden möchten wir so viele Menschen wie möglich erreichen. Natürlich haben wir Damen-, Herren- und auch Kinderkleidung. Für Kinder arbeiten wir nur mit Spenden, wir haben also noch nicht alle Grössen. Daher muss ich nehmen, was ich kriegen kann. Im Moment haben wir zum Beispiel mehr Kleidung für Jungen als für Mädchen. 

Ist Vintage also der neue Trend?

Ja, das Tolle ist, dass sich Vintage super mit der ökologischen Seite verträgt, so dass man in einer Kreislaufwirtschaft bleibt: Man trägt Kleidung, die schon mehrmals getragen wurde, und obendrein ist es noch modisch. Deshalb denke und hoffe ich, dass es funktionieren wird.

Wer kümmert sich um den Betriebsablauf im Laden?

Im Moment bin ich allein im Secondhand-Laden. Bei allem, was zum Beispiel mit der Bestellung von Kleidung und der Lagerung zu tun hat, hilft mir Axel, sonst wird es ein bisschen kompliziert (lacht). Es gibt noch viele Unsicherheiten und Komplikationen: Wir wissen nicht, wie schnell die Kleidung ausgeliefert wird oder wie oft wir Bestellungen aufgeben müssen.

Möchtest du deine Kleider ausschliesslich physisch im Laden verkaufen?

Im Moment schon, ja. Wir behalten die Möglichkeit eines Online-Shops im Hinterkopf, vor allem aufgrund der Pandemie. Sollte es eine obligatorische Schliessung geben, wäre das eine Möglichkeit 

Was ist die grösste Herausforderung für dich?

Am schwierigsten war es, die Anzahl der zu bestellenden Kleidungsstücke abzuschätzen: wie viele Kleidungsstücke auf einen Ständer passen, wie viele Bügel. Wir haben viel zu viele bestellt, genug, um einen zweiten Secondhandladen zu eröffnen (lacht). Ich habe noch nie im Textilienverkauf gearbeitet, das ist meine erste Erfahrung. Das ist gut, so lernt man viel.

Welche Herausforderung gibt es, wenn man ein neues Unternehmen in Freiburg eröffnen will?

Ich fand es nicht sehr schwierig. Ich hatte das Glück, die Hilfe mehrerer Freunde und Verwandter in Anspruch nehmen zu können, die in einer Treuhandfirma arbeiten. Auch für alle administrative Schwierigkeiten habe ich jedes Mal Lösungen gefunden. Wir hatten einige Probleme mit Genehmigungsanträgen, insbesondere für das Schild. Es ist ein bisschen schwierig, weil es nicht immer schnell geht und wie viele Faktoren nicht beeinflussen können. Aber ansonsten bin ich ehrlich gesagt überrascht, dass ich es "leicht" geschafft habe. Ich bin jetzt seit einem Monat hier, von morgens bis 10-11 Uhr.

Wie lange hast du gebraucht, um deinen Laden zu eröffnen?

Ich habe die Räumlichkeiten besichtigt und beschloss dann, Ende März zu beginnen. Am Ende ging es also recht schnell. Ich würde nicht sagen, dass ich aus einer Laune heraus angefangen habe, denn ich habe schon lange darüber nachgedacht.

Wie setzt du deine Preise fest?

Ich will erschwingliche Preise für alle anbieten. Ich habe beispielsweise an Studenten gedacht, die nicht unbedingt ein grosses Budget haben. Ich habe die Preise so festgelegt, wie ich denke, dass sie für junge Menschen bezahlbar sind. Einige Marken sind teurer als andere, aber die Preise variieren in den einzelnen Bekleidungskategorien kaum.

Kann man die Preise mit dir verhandeln?

Nein, Verhandlungen sind nicht möglich (lacht). Obwohl ich verstehen kann, dass dies einigen Leuten, die nicht an Secondhand-Läden gewöhnt sind, in den Sinn kommen könnte.

Du kommst aus Bulle und hast die Welt bereist. Warum hast du dich für Freiburg entschieden?

Ich bin nicht sicher, ob mein Laden in Bulle funktionieren würde. Erstens ist Freiburg eine Studentenstadt, was bereits schon stark für diesen Standort spricht und zweitens denke ich, dass die Leute "offener" für Neues sind, alternativer. Ausserdem ist der Mietpreis im Gegensatz zu einigen Gebäuden in Bulle relativ günstig. Und Freiburg gefällt mir sehr gut, ich würde später gerne hierher ziehen. Aber einen Secondhand-Laden zu eröffnen und gleichzeitig umzuziehen, war zu viel (lacht).

Die Baraque à Fripes findet ihr in der:

Lausannegasse 48, 1700 Freiburg

Frapp - Audrey Raffaelli / Video: Marion Pasquier / Übersetzung: cys