Tätowierer zu werden ist kein leichter Weg
Im vergangenen Jahr wurde in Marly eine Tätowierschule eröffnet. Obwohl voll belegt, ist diese Art von Studiengang in der Branche umstritten.

Während neun Monaten werden die angehenden Tätowiererinnen und Tätowierer an einem Tag pro Woche in Hygiene, Anatomie, Kundenempfang, Aufbau einer Community in sozialen Netzwerken, aber auch in der Praxis geschult, indem sie auf künstlicher Haut tätowieren. Danach üben sie es auf menschlicher Haut - dank Personen, die sich kostenlos tätowieren lassen.
"Ich habe diese Schule gegründet, um all diesen Menschen zu helfen, die in diesem Metier keine Entwicklungsmöglichkeiten hatten", sagt die Walliser Tätowiererin Macam, die die Schule vor zwei Jahren im Wallis gründete und nun eine Zweigstelle in Freiburg eröffnet hat.
In den Räumlichkeiten in Marly können vier Personen gleichzeitig ausgebildet werden. "Das Ziel ist nicht, die Zahl der Lernenden zu vervielfachen. Vielmehr ist das Ziel, für diejenigen zur Verfügung zu stehen, die da sind, um herausragende Leistungen anzustreben", sagt die Tätowiererin aus dem Wallis. Insgesamt werden in Freiburg zwölf Schülerinnen und Schüler ausgebildet, die sich auf Montag, Dienstag und Samstag verteilen.
Schule steht guten Zeichnern offen
Es gibt keine Voraussetzungen, um aufgenommen zu werden. Die Lernenden müssen kein Kunststudium absolviert haben, sie müssen lediglich einen guten Bleistiftstrich vorweisen. "Wir sind sehr selektiv. Wir nehmen nur Leute auf, die ein gutes Niveau im Zeichnen haben. Aber wir sind keine Zeichenschule, wir sind eine Tätowierschule. Wir werden ihnen die Grundlagen in dieser Disziplin beibringen", sagt Macam.
Während der Ausbildung stehen Fachleute zur Verfügung, die die Schülerinnen und Schüler begleiten. Dabei geht es vor allem darum, ihre Arbeit zu überwachen, ihnen Ratschläge zu geben und auch mal zum Dermografen zu greifen, um Tätowiertechniken zu zeigen oder Striche zu korrigieren, die nicht präzise sind. "Wir können nicht alles wieder gut machen. Aber wir lassen es nie bis zu dem Punkt kommen, wo es irreparabel wird. Da wird vorher zur Nadel gegriffen und das Tattoo korrigiert, sodass die Person zufrieden ist", erklärt die Expertin weiter.
Der Wunsch zu lernen
An diesem Tag in Marly waren drei junge Frauen dabei, um sich weiterzubilden. Eine feilte an der Tätowierung auf künstlicher Haut, die andere legte symmetrische Schichten übereinander. Annick hingegen retuschierte die Tätowierung ihrer heutigen Person. "Es ist schwierig, einen Lehrmeister zu finden, der bereit ist, uns auszubilden. Es gibt sie nicht an jeder Strassenecke. Diese Schule ist eine Möglichkeit, eine solide Grundlage zu erwerben, insbesondere in Bezug auf die Hygiene. Es ist auch beruhigend, weil es verhindert, dass wir uns in unserer Küche autodidaktisch weiterbilden", sagt die Waadtländerin, die im kommenden Juni ihre ersten Kundinnen und Kunden in ihrem Salon in Etoy begrüssen wird.
Eine Ausbildung, auf die mit dem Finger gezeigt wird
Mehrere Tätowiererinenn und Tätowierer prangern diese Art der Ausbildung jedoch an. So bedauert Frédz von Noir tattoo, dass mehrere Lehrlinge gleichzeitig ausgebildet werden, denn "die Qualität des Unterrichts und der vermittelten Werte muss im Vordergrund stehen".
Allerdings hat die Ausbildung in der Schweiz derzeit einige Lücken. Es gibt keinen national anerkannten Ausbildungsgang. Die Grundvoraussetzung für eine selbstständige Tätigkeit als Tätowiererin oder Tätowierer ist die Teilnahme an bestimmten Kursen über Hygiene. Mehr nicht. "Ich persönlich halte nichts davon, Menschen gegen eine oft überhöhte Geldsumme ein nicht anerkanntes Diplom zu verleihen und ihnen vorzugaukeln, dass sie dadurch etwas oder jemand geworden sind, der sie nicht sind", fährt der in der Stadt Freiburg ansässige Tätowierer fort.
Um Tätowierer zu werden, muss man in der Regel eine Fachperson finden, die bereit ist, die interessierte Person auszubilden und dabei auf alle Aspekte des Berufs einzugehen. Ausgehend von der Geschichte, den Werkzeugen und deren Einstellungen, den verschiedenen verwendeten Techniken bis hin zu den Hygienestandards und deren Entwicklung. Diese Ausbildung dauert in der Regel mehrere Jahre. "Auch wenn die inoffizielle Lehre viele Schwachstellen hat, wie die Qualität der Lehrmeister, die manchmal nur durch Geldgier motiviert sind, ist sie immer noch der beste Weg, um Tätowierer zu werden", so Frédz.




