Flexiblere Arbeitsbedingungen beim Kanton Freiburg
Der Kanton Freiburg als Arbeitgeber setzt in der Pandemie auf Homeoffice. Neu passt er sogar seine zukünftige Arbeitsstrategie an.

Seit Beginn der Corona-Pandemie verrichten auch Freiburger Staatsangestellte im Bereich Administration ihre Tätigkeiten teilweise von zu Hause aus. RadioFr. wirft einen Blick zurück auf ein Jahr voller Veränderungen für die Mitarbeitenden.
Gabrielle Merz Turkmani, Personalchefin Kanton Freiburg, erinnert sich an die Anfangstage von Corona: "Trotz allem wurden wir davon etwas überrascht. Es verlief alles sehr schnell und plötzlich wurden wir ins Homeoffice katapultiert. Viele Mitarbeitende hatten grosse Angst vor dieser Pandemie, man wusste darüber noch sehr wenig." Die Angestellten seien deshalb sehr froh gewesen, ihre Arbeit in Ruhe von zu Hause aus verrichten zu dürfen.
Nicht alle in Heimarbeit
Homeoffice setze jedoch klare Grenzen, sagt Merz Turkmani: "Es gibt Aufgabenbereiche, bei denen die Leute per se vor Ort sein müssen: Ein Polizist kann nicht von zu Hause aus beobachten, was in der Stadt Freiburg so läuft; eine Krankenschwester muss im Spital sein und kann ihren Aufgabenbereich nicht ins Homeoffice verlegen." In der Zentralverwaltung gebe es aber viele klassische, administrative Jobs und Aufgaben, die von zu Hause aus erledigt werden könnten.
Mehrere Monate später fühlte der Kanton den Puls der Staatsangestellten bezüglich Homeoffice. Dazu Personalchefin Merz Turkmani: "Im Sommer starteten wir eine Umfrage um zu erfahren, wie es den Leuten im Homeoffice erging und sie diese Phase erlebt haben." Das Stimmungsbild sei insgesamt sehr positiv gewesen: "Eine Mehrheit der Mitarbeitenden gab an, diese Möglichkeit auch gerne nach der Pandemie nutzen zu wollen – allerdings ein bis zwei Tage pro Woche, nicht unbedingt viel mehr."
Ermüdung nach einem Jahr
Gemäss Gabrielle Merz Turkmani stelle sich nun eine gewisse Müdigkeit ein: "Nach einem Jahr merkt man, dass die Leute etwas müde werden. Ihnen fehlt zu Hause der Kontakt mit anderen Mitarbeitenden. Es gibt auch Leute, die hoffen, bald wieder ins Büro kommen zu dürfen." Diese möchten wieder im Büro arbeiten um Kolleginnen und Kollegen zu treffen und informelle Mitteilungen von Person zu Person zu erhalten.
Insgesamt zieht die Personalchefin aber eine positive Bilanz: "Nach einem Jahr Pandemie und Telearbeit erlebten wir einen enormen Lernprozess. Wir haben die gesamte Organisation neu aufgerollt. Dabei waren die Arbeitenden nicht nahe bei ihren Vorgesetzten, sondern zu Hause. Dies verlangte eine Stärkung der Vertrauenskultur. Man hat die Leute nicht stets im Blickfeld, sondern muss sich auf sie verlassen können, damit sie auch wirklich an ihren aufgetragenen Arbeiten dranbleiben." Doch man habe gesehen, dass dies funktioniere, so Merz Turkmani.
Neue Indikatoren erkannt
Laut Gabrielle Merz Turkmani war es trotz Telearbeit möglich, die Arbeitsverteilung angemessen anzugehen: "Bei Personen, die beispielsweise viele Stunden stempelten, mussten wir überprüfen, ob sie zu viel Arbeit haben und die Arbeit gegebenfalls auf andere aufteilen." Aber auch wenn jemand sehr wenig Zeit angegeben habe, habe dies Fragen aufgeworfen und man schaute, ob diese Person zu wenig zu tun hatte und ihr zusätzliche Aufgaben zugeilt werden konnten.
Die Kommunikation habe aber trotz der Distanz nicht gelitten. Dazu Merz Turkmani: "Während der Telearbeit wurden sehr viele Vereinbarungen mündlich getroffen. Der Kontakt zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden war rege und wir führten Videokonferenzen durch. So konnte man sehen, ob die Personen ihre Arbeiten auch wirklich abliefern oder mit den Aufgaben in Verzug geraten.“ Insgesamt könne gesagt werden, dass dies sehr gut funktioniert habe.
Neue Personalpolitik
Alles in allem habe die Pandemie jenen Prozess beschleunigt, welcher in Freiburg bereits davor angedacht wurde. Die Personalchefin stellt die daraus gewonnene, neue Personalpolitik in den Vordergrund: „Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir in Zukunft flexiblere Arbeitsbedingungen möchten bezüglich Arbeitsort und Arbeitszeit.“ Das Personal solle mehr Freiheiten erhalten, so Merz Turkmani. Diese Vorhaben seien durch die Pandemie beschleunigt worden.
Auch über die Pandemie hinaus will der Kanton Freiburg seinen Mitarbeitenden ermöglichen, bis zu 50 Prozent ihres Beschäftigungsgrades im Homeoffice zu verbringen. Merz Turkmani ergänzt: „Ausserdem werde es auch möglich, nicht nur von zu Hause aus flexibel zu arbeiten, sondern beispielsweise auch in einem Co-Working-Office.» Unter bestimmten Voraussetzungen werde es zudem möglich sein, im öffentlichen Verkehr unterwegs zu arbeiten.
So habe die Zeit der Pandemie ihre positive Seite, die man gerne mitnehmen möchte, sagt Gabrielle Merz Turkmani: „Wir wollen diese Dynamik im Bereich Flexibilisierung dazu nutzen, sie zu verstetigen und über die Pandemie hinaus beizubehalten. Allerdings: 100 Prozent Telearbeit wollen inskünftig wohl die wenigsten von uns.“ An einem bis zwei Tagen pro Woche solle es aber möglich sein. Zudem solle es die Möglichkeit geben, gewisse Freiheitsgrade zu erhalten, um im Büro arbeiten und Leute treffen zu können.




