Hindernisse auf dem Weg zur Zweisprachigkeit

Für zwei offizielle Amtssprachen fehlt die gesetzliche Basis. Trotzdem hält die Fusionsversammlung Grossfreiburg am Ziel fest.

Die Stadt Freiburg ist offiziell nicht zweisprachig – würde es im Falle einer Fusion mit acht Agglomerationsgemeinden zu Grossfreiburg aber gerne werden. Am Donnerstag haben Vertreterinnen und Vertreter der Fusionsversammlung ihr Sprachkonzept vorgestellt. Entgegen dem ursprünglichen Ziel sind Französisch und Deutsch darin nicht gleichgestellt.

„Das Problem ist, dass im Kanton seit 15 Jahren ein entsprechendes Gesetz fehlt“, sagt Carl-Alex Ridoré, Oberamtmann des Saanebezirks. Das hätten Abklärungen mit dem Amt für Gesetzgebung ergeben. Würden Deutsch als auch Französisch als Amtssprachen aufgeführt, könnte das zu rechtlichen Problemen führen.

Trotzdem soll die deutsche Sprache im neuen Grossfreiburg stärker gefördert werden. Alle Leute sollen in ihrer Muttersprache kommunizieren können, wenn sie beispielsweise mit der Gemeindeverwaltung telefonieren. Das betont André von der Weid, Generalrat aus Avry und Mitglied der Arbeitsgruppe.

Alle Eltern in Grossfreiburg sollen ihre Kinder zudem in eine deutschsprachige Schule schicken können. Schliesslich schafft die Fusionsversammlung eine neue Delegiertenstelle für die Zweisprachigkeit. Insgesamt ist eine halbe Million Franken im Budget für die Förderung des Bilinguismus vorgesehen.

Trotzdem bleibt es dabei: Zwei offizielle Amtssprachen kann es nicht geben. Der Bilinguismus bleibt somit freiwillig. Hat die Versammlung etwa Angst, dass die Bevölkerung die Fusion andernfalls ablehnt? Carl-Alex Ridoré widerspricht: „Es ist ein Weg, um deutschsprachigen Personen mehr Rechte zu geben, damit sie sich weiterhin bei der Verwaltung auf Deutsch äussern können.“

Laut André von der Weid bleibe die Zweisprachigkeit aber das Ziel. „Die Mitglieder der Versammlung haben im Sinn, dass die grosse Stadt sowohl Freiburg als auch Fribourg heisst und beide Sprachen offiziell anerkannt werden.“ Um die gesetzliche Lücke zu schliessen, steht die Fusionsversammlung in Kontakt mit dem Staatsrat. Momentan bleibt Deutsch in den Plänen für Grossfreiburg dem Französisch aber untergeordnet. Im September kann sich die Bevölkerung in einer Konsultativabstimmung zum Projekt Grossfreiburg äussern.

RadioFr. - Lukas Siegfried / pef